Haushalt & Finanzen
Sparen statt höhere Abgaben
Lehrte soll Haushaltslücken eher durch Kürzungen bei freiwilligen Leistungen als durch höhere Steuern und Gebühren schließen.
Lehrte · Bürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Der genehmigte Doppelhaushalt 2026/2027 weist für beide Jahre Fehlbeträge aus. Die Kommunalaufsicht empfiehlt deshalb ausdrücklich, sich zeitnah mit Maßnahmen der Haushaltssicherung zu befassen, und nennt dafür Realsteuerhebesätze, Erträge und Aufwendungen als Stellschrauben. Welche davon vorrangig bewegt werden soll, entscheidet sie nicht.
Das Berichtswesen zum 31. März 2026 verschärft die Lage: Die Stadt erwartet für 2026 aus Steuern und allgemeinen Zuweisungen rund 88,8 statt der veranschlagten 92,3 Millionen Euro, allein bei der Gewerbesteuer rund 3,05 Millionen Euro weniger. Die Liquidität lag zum 31. März 2026 bei 373.240 Euro, nachrichtlich zum 30. April 2026 bei minus 7,2 Millionen Euro; im Januar und im April waren Liquiditätskredite nötig. Im selben Haushaltsjahr wurden bereits Investitionskredite über 21,1 Millionen Euro aufgenommen. Das Berichtswesen zum 30. Juni 2026 weist zum Stichtag 31. Juli 2026 einen Liquiditätskredit von 20,787 Millionen Euro aus. Die Verwaltung schreibt dort, die Fortführung bestehender freiwilliger Leistungen müsse „einer konsequenten, kritischen Prüfung unterzogen werden“, und hält mittelfristig ein Haushaltssicherungskonzept für „unumgänglich“.
Am 29. August 2026 hat die Verwaltung einen Nachtragshaushalt vorgelegt. Er weist für 2026 ein Defizit von 28,23 Millionen Euro aus — 1,12 Millionen mehr als bisher geplant — und für 2027 weitere 18,87 Millionen; zusammen 47,1 Millionen Euro. Die Rücklage wäre danach Ende 2027 bis auf 223.222 Euro aufgebraucht. Die Steuersätze sollen nach diesem Entwurf unverändert bleiben, und weil die Rücklage den Fehlbetrag noch deckt, gilt der Haushalt rechtlich als ausgeglichen — ein Haushaltssicherungskonzept, das die Stadt zu konkreten Sparmaßnahmen verpflichten würde, ist deshalb derzeit nicht vorgeschrieben. Getrieben wird die Verschlechterung von einer Pflichtaufgabe: Für die Jugendhilfe sollen 2026 weitere zwei Millionen Euro bereitgestellt werden, nachdem der Ansatz gegenüber 2025 bereits von 11,94 auf 14,75 Millionen Euro angehoben worden war; 2024 waren 2,47 Millionen nachzuschießen, 2025 rund 4,59 Millionen. Auf die Höhe solcher Ausgaben hat die Stadt nur begrenzten Einfluss. Entschieden ist der Nachtrag nicht: Der Rat berät ihn am 30. September 2026 und damit nach der Wahl.
Freiwillige Leistungen sind der Teil der Aufwendungen, über den eine Kommune frei entscheidet — eine der genannten Stellschrauben, aber nicht die einzige. Dazu zählen üblicherweise Sport- und Vereinsförderung, Kultur, Volkshochschule und Musikschule, Bibliothek und Jugendarbeit. Welche davon in Lehrte zur Disposition stünden, ist nicht veröffentlicht.
Quellen (6)
- Stadt Lehrte, Doppelhaushalt 2026/2027
- Stadt Lehrte, Berichtswesen zum Stichtag 30.06.2026 (Vorlage 104/2026), PDF
- Stadt Lehrte, Berichtswesen zum Stichtag 31.03.2026 (Vorlage 071/2026), PDF
- RIS Lehrte, Haushaltssatzung 2026/2027, Vorlage 151/2025
- AltkreisBlitz, „47 Millionen Euro Defizit: Lehrtes Rücklage ist danach fast aufgebraucht“, 29.08.2026
- HAZ, Kommunalaufsicht genehmigt den Doppelhaushalt und mahnt zum Sparen
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- Worum geht es? … und hält mittelfristig ein Haushaltssicherungskonzept für „unumgänglich“. […] Am 29. August 2026 hat die Verwaltung einen Nachtragshaushalt vorgelegt. Er weist für 2026 ein Defizit von 28,23 Millionen Euro aus — 1,12 Millionen mehr als bisher geplant — und für 2027 weitere 18,87 Millionen; zusammen 47,1 Millionen Euro. Die Rücklage wäre danach Ende 2027 bis auf 223.222 Euro aufgebraucht. Die Steuersätze sollen nach diesem Entwurf unverändert bleiben. Entschieden ist das nicht: Der Rat berät den Nachtrag am 30. September 2026 und damit nach der Wahl.Ergänzt wurde der Nachtragshaushalt vom 29. August 2026. Der Hintergrundtext beschrieb die Haushaltslage bis dahin mit den Berichtswesen-Ständen vom 31. März und 30. Juni 2026; der Nachtrag ist neuer und nennt erstmals eine Zahl für beide Haushaltsjahre zusammen sowie den Stand der Rücklage. Weil diese These fragt, ob Lehrte eher kürzen oder Abgaben erhöhen soll, gehört beides in die Erklärung — ebenso die Angabe, dass der Entwurf die Steuersätze unverändert lässt und der Rat erst am 30. September und damit nach der Wahl darüber entscheidet. Der Thesentext und die beiden Antwortmöglichkeiten sind unverändert; an der Frage selbst ist nicht gedreht worden. Als Quelle kam der Bericht des AltkreisBlitz vom 29. August 2026 hinzu.
Zustimmung bedeutet
Lehrte soll freiwillige Leistungen kürzen, um Steuer- und Gebührenerhöhungen zu vermeiden.
Ablehnung bedeutet
Lehrte soll freiwillige Leistungen erhalten und die Lücke eher über höhere Steuern und Gebühren schließen.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 2 der 3 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Frank Prüße (CDU)
Teils / teilsEigene Antwort: Teils / teils
Er plant keine Steuer- oder Gebührenerhöhungen und will die Qualität Lehrtes als Wohn- und Gewerbeort nicht durch Erhöhungen gefährden. Ob freiwillige Leistungen erhalten oder gekürzt werden, will er in einer umfassenden Aufgabenkritik im Rahmen eines künftigen Haushaltssicherungsverfahrens klären.
Originalantwort anzeigen
Es sind keine Steuer- oder Gebührenerhöhungen geplant. Die Qualität Lehrtes als Wohn- und Gewerbeort soll nicht durch Erhöhungen gefährdet werden. Der Erhalt oder die Kürzung freiwilliger Leistungen wird Bestandteil einer umfassenden Aufgabenkritik im Rahmen eines zukünftigen Haushaltssicherungsverfahrens sein.
Warum Mittelposition: Zustimmung, aber ausdrücklich an eine Bedingung geknüpft.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 26.08.2026
Aus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Er nennt Lehrte keine arme Stadt, hofft auf stärkere Unterstützung von Land und Bund und rechnet mit zusätzlichen Krediten.
Öffentliche Aussage · HAZ, Vorstellung des CDU-Wahlprogramms Lehrte, 17.07.2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die Aussage weicht der Alternative der These aus: Sie stellt weder Kürzungen bei freiwilligen Leistungen noch höhere Steuern und Gebühren voran, sondern nennt Zuweisungen und Kreditaufnahme als dritten Weg.
Michael Clement (SPD)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er will Effizienz steigern und nimmt dabei an einzelnen Stellen Einschnitte in Kauf.
Programm/Kampagne · Michael Clement, Lokalpolitik
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die Quelle stellt mögliche Einschnitte nicht relativ über höhere Steuern oder Gebühren und beantwortet daher den Vorrang der These nicht.
Oliver Gels (Wir für Lehrte (WfL))
Teils / teilsEigene Antwort: Teils / teils
Er will zunächst die Pflichtaufgaben weiter erfüllen, wichtige Projekte der kommunalen Daseinsvorsorge weiter fördern und insgesamt alle Ausgabenpunkte überprüfen. Höhere Steuern und Gebühren würden die Bürgerinnen und Bürger aus seiner Sicht nur unnötig belasten.
Originalantwort anzeigen
Hier gilt es zunächst die Pflichtaufgaben weiterhin zu erfüllen, wichtige Projekte für die kommunale Daseinsvorsorge auch weiterhin zu fördern und insgesamt alle Ausgabenpunkte zu überprüfen. Höhere Steuern und Gebühren würden nur unnötig die Bürger belasten.
Warum Mittelposition: Zustimmung, aber ausdrücklich an eine Bedingung geknüpft.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 08.09.2026
Aus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Beim Wahlforum lehnte er Kürzungen ausdrücklich ab — „Kürzungen bei sozialen Projekten oder der Sportförderung dürfe es nicht geben“ — und will die Einnahmeseite stattdessen über Gewerbe stärken: Er kündigte an, Flächenbedarf und Wünsche der ansässigen Betriebe zu ermitteln, um sie zu halten, und mit einer Kampagne Unternehmen anzuwerben, die vor Ort Steuern zahlen. Bei den Ausgaben müsse man schauen, was nötig sei.
„Wir wollen Lehrte lebenswert halten."
Öffentliche Aussage · HAZ/NP-Wahlforum Lehrte vom 26.08.2026, Bericht vom 27.08.2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die These stellt Kürzungen bei freiwilligen Leistungen höheren Steuern und Gebühren gegenüber. Gels lehnt Kürzungen ab, nennt als Gegenweg aber ausdrücklich zusätzliche Gewerbeansiedlung und keine höheren Abgaben — die Alternative der These beantwortet er damit nicht.
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