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Kandidaten-Check zur OB-Wahl Hannover 2026
Am 13. September 2026 wählt Hannover eine neue Oberbürgermeisterin oder einen neuen Oberbürgermeister. 24 Thesen zu den Streitfragen der Stadt — beantworten, gewichten und sehen, welche Kandidatur Ihren Positionen am nächsten steht. Jede Kandidatenposition mit Quelle.
Erreicht niemand die absolute Mehrheit, folgt am 27. September 2026 eine Stichwahl.
So funktioniert es
24 Thesen. Ihre Haltung. Der Vergleich.
- 1
Position beziehen
Zu jeder These: zustimmen, neutral, ablehnen — oder überspringen. Was Ihnen besonders wichtig ist, markieren Sie direkt an der These; es zählt dann doppelt.
- 2
Vergleichen
Sie sehen die Übereinstimmung mit allen Kandidaturen — These für These, mit Quellen.
Bleibt bei Ihnen: Ihre Antworten werden ausschließlich in Ihrem Browser ausgewertet — keine Übertragung, keine Speicherung auf unseren Servern, kein Konto. Das Ergebnis ist eine Orientierungshilfe und keine Wahlempfehlung.
Wer tritt an?
Das Kandidatenfeld
Die Frist für Wahlvorschläge zur Oberbürgermeisterwahl endete am 6. Juli 2026. Der Gemeindewahlausschuss hat am 23. Juli neun Bewerbungen für das Oberbürgermeisteramt zugelassen; einzelne Bewerbungen konnten laut Stadt aus rechtlichen Gründen nicht berücksichtigt werden. Die Musterstimmzettel veröffentlicht die Stadt voraussichtlich ab Mitte August. Die hier dokumentierten Positionen stammen aus öffentlich überprüfbaren Quellen — dadurch bleibt die Abdeckung ungleich. Breite Themenaussagen ohne vollständige Antwort auf eine These werden nur als Quellenhinweis gezeigt und nicht berechnet. Ein identischer Fragebogen für alle Kandidaturen wird vorbereitet; eingehende Antworten ersetzen die persönliche Rechengrundlage und werden als solche gekennzeichnet. Getrennter Parteikontext bleibt zur Einordnung erhalten.
Reihenfolge dieser Liste: Amtsinhaber zuerst, danach nach der Stärke der nominierenden Partei im Rat (Kommunalwahl 2021); bei gleicher Stärke wie in der amtlichen Bekanntmachung der Stadt, nicht im Rat vertretene Wahlvorschläge zuletzt. Das ist eine Sortierregel und keine Wertung.
Belit Onay
Bündnis 90/Die GrünenZur Wahl zugelassen · Amtsinhaber
45, Jurist, seit November 2019 Oberbürgermeister von Hannover. Von seinem Stadtverband im April 2026 mit 98,6 Prozent für eine zweite Amtszeit nominiert. Schwerpunkte nach eigener Ankündigung: Wohnungsbau, Energiewende und Digitalisierung.
Axel von der Ohe
SPDZur Wahl zugelassen
48, promovierter Verwaltungswissenschaftler, seit 2017 Stadtkämmerer und seit 2021 Erster Stadtrat sowie Dezernent für Finanzen, Ordnung und Feuerwehr — damit bislang Stellvertreter des Amtsinhabers. Im September 2025 mit 97 Prozent nominiert. Lebt in Linden, verheiratet, zwei Kinder.
Peter Karst
CDUZur Wahl zugelassen
55, Volljurist, seit 2018 Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover; zuvor unter anderem Geschäftsführer im Strukturwandel des Ruhrgebiets. War bis zu seiner Kandidatur parteilos und trat 2025 in die CDU ein; im August 2025 nominiert, im Oktober 2025 von der Mitgliederversammlung bestätigt.
Maren Kaminski
Die LinkeZur Wahl zugelassen
47, Diplom-Sozialwissenschaftlerin und seit 2025 Mitglied des Bundestages; zuvor Gewerkschaftssekretärin der GEW. Im Januar 2026 nominiert, kandidierte sie bereits 2013 für das Amt. Ihr erklärtes Kernthema ist Armut in der Stadt.
Jessica Schülke
AfDZur Wahl zugelassen
41, gelernte Buchbinderin mit Studium der Sozialpädagogik, seit November 2022 Mitglied des Niedersächsischen Landtags. Im März 2026 nominiert. Nach einer Prüfung ihrer Verfassungstreue ließ der Gemeindewahlausschuss ihre Kandidatur am 23. Juli 2026 zu.
Larissa Boch
Die PARTEIZur Wahl zugelassen
Wissenschaftliche Geschäftsführerin im Vorstand des Kreisverbands Region Hannover von Die PARTEI. Der Gemeindewahlausschuss ließ ihre Kandidatur am 23. Juli 2026 zu. Öffentliche Sachpositionen zur Oberbürgermeisterwahl waren zum Rechercheschluss nicht auffindbar; das Kommunalwahlprogramm ihrer Partei ist satirisch angelegt und nennt sie nicht.
Bruno Adam Wolf
PiratenparteiZur Wahl zugelassen
61, Journalist, Kapitän und Open-Source-Experte, Vater von vier Kindern. Seit rund zehn Jahren Ratsherr in Hannover und Mitglied der Regionsversammlung. Er tritt für die Piratenpartei an, gehört im Rat seit Dezember 2023 aber der gemeinsamen Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volt und Piratenpartei an und ist dort Sprecher für Digitales. Im April 2026 nominiert; seine Schwerpunkte sind digitale Souveränität und Soziales.
Thorsten Meyer
DIE HANNOVERANERZur Wahl zugelassen
53, stellvertretender Vorsitzender der unabhängigen Wählergemeinschaft DIE HANNOVERANER, die seit 2011 im Rat und in der Regionsversammlung vertreten ist. Ende 2025 als Kandidat nominiert.
Muammer Duran
DAVAZur Wahl zugelassen
Kandidat der DAVA-Niedersachsen, zugelassen vom Gemeindewahlausschuss am 23. Juli 2026. Die DAVA tritt in Hannover nur in einzelnen Wahlbereichen zur Ratswahl an. In einer öffentlichen Wahlkampfrede nennt er bezahlbares Wohnen, Bildung, ältere Menschen, Chancengerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt; eine ausformulierte persönliche Kommunalagenda liegt bisher nicht vor.
Termine und Fristen
Oberbürgermeisterwahl in Hannover: Termin, Wahlrecht, Briefwahl
Die folgenden Angaben gelten landesweit für die niedersächsischen Kommunalwahlen. Was örtlich gilt — Wahlraum, Briefwahlstelle, amtliche Bekanntmachungen — steht auf der amtlichen Wahlseite der Kommune.
Wahltag
Sonntag, 13. September 2026, von 8 bis 18 Uhr. Gewählt werden an diesem Tag die kommunalen Vertretungen; in Hannover zusätzlich eine neue Oberbürgermeisterin oder einen neuen Oberbürgermeister.
Stichwahl
Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Erreicht das niemand, findet am zweiten Sonntag danach — 27. September 2026 — eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaturen mit den höchsten Stimmenzahlen statt. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los darüber, wer daran teilnimmt.
Wer wählen darf
Deutsche und Staatsangehörige anderer EU-Mitgliedstaaten, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind (also spätestens am 13. September 2010 geboren), seit mindestens drei Monaten im Wahlgebiet wohnen, nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen und im Wählerverzeichnis eingetragen sind. Eine Berichtigung des Wählerverzeichnisses kann bis zum 28. August 2026 beantragt werden.
Briefwahl
Wer den Wahlraum nicht aufsuchen kann, beantragt einen Wahlschein — schriftlich oder mündlich, nicht telefonisch. Die reguläre Antragsfrist endet am 11. September 2026 um 13 Uhr. Der Wahlbrief muss spätestens am Wahltag um 18 Uhr bei der zuständigen Stelle eingegangen sein; er zählt nicht, wenn er erst danach ankommt.
Örtliche Angaben und amtliche Bekanntmachungen: Wahlen — Landeshauptstadt Hannover. Quelle der Termine und Fristen: Nds. Landeswahlleiter, Grundzüge des niedersächsischen Kommunalwahlsystems (abgerufen am 2. August 2026). Dieser Check ist nichtamtlich; verbindlich sind die Angaben der Kommune.
Überblick
Die Parteien im heutigen Rat und ihre Programme
Dieser Überblick zeigt den derzeitigen Rat mit der Sitzverteilung seit 2021 — nicht den vollständigen Stimmzettel zur Ratswahl 2026.
Parallel zur Oberbürgermeisterwahl wird am 13. September 2026 auch der Rat der Landeshauptstadt neu gewählt. Hier die belegten Schwerpunkte der aktuell im Rat vertretenen Parteien, aufgeteilt nach denselben Themenblöcken, nach denen auch die Thesen geordnet sind.
Es erscheint nur, was örtlich belegt ist. Die Länge einer Karte zeigt deshalb, wie viel eine Partei vor Ort veröffentlicht hat — nicht ihr Gewicht im Rat und keine Bewertung durch uns. Aus Bundes- oder Landesparteiprogrammen wird nichts abgeleitet. Und die Karten beschreiben Politik für den Stadtrat: Entscheidungen der Regionsversammlung — etwa Nahverkehr, Kliniken oder Abfall — zählen bei den Thesen nicht. Wo eine Partei örtlich nichts und nur auf Regionsebene etwas veröffentlicht hat, steht das ausdrücklich an ihrer Karte.
Bündnis 90/Die Grünen
18 SitzeSchwerpunkte
Stellt mit Belit Onay den Amtsinhaber. Das Kommunalwahlprogramm 2026 priorisiert die Mobilitätswende und den Ausbau des kommunalen Wohnungsbestands über die städtische hanova.
Verkehr & Innenstadt
Vorrang für Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr, dazu die Stadtbahnanbindung des MHH-Neubaus.
Wohnen & Bauen
Der kommunale Wohnungsbestand soll wachsen und die städtische hanova dafür gestärkt werden. Auf städtischen Flächen sollen mindestens 35 Prozent geförderte Wohnungen entstehen, die Sozialbindung soll auf mindestens 25 Jahre verlängert werden; gegen Mietwucher und Zweckentfremdung soll strenger vollzogen werden.
Digitales & Verwaltung
Digitale Verwaltungsverfahren sollen beschleunigt werden, mit virtuellen Bürgerbüros und digitaler Statusverfolgung für Anträge. Das Programm fordert digitale Souveränität, den Vorrang quelloffener Lösungen und europäische Anbieter sowie einen kontrollierten KI-Einsatz.
Klima & Energie
Hannover soll bis 2035 klimaneutral werden; das Programm nennt zusätzlich den Kohleausstieg 2027 und eine Vorreiterrolle bei der Wärmewende.
Kommunalwahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF) · Wärmewende Hannover, Ziel 2035
Sicherheit & Ordnung
Die Präsenz des Ordnungsdienstes vor Ort soll erhöht und die Wirkung der bisherigen Aufstockung bewertet werden.
Haushalt & Finanzen
Jede größere Investition soll einer Klima- und Folgekostenbewertung unterzogen werden; Sanierung und Erhalt gehen dabei dem Neubau vor — ausdrücklich auch bei Schulen, Kitas und öffentlichen Gebäuden.
SPD
18 SitzeSchwerpunkte
Tritt mit Axel von der Ohe an. Das Zukunftsprogramm gliedert sich in vier Kapitel: „die familienfreundlichste Stadt Deutschlands“ (Bildung, Betreuung, Wohnen), Sicherheit, Arbeit und Wirtschaft sowie eine „funktionierende Stadt“.
Verkehr & Innenstadt
Eine autofreie Innenstadt lehnt das Programm ausdrücklich ab. Einzelne Bereiche sollen autoärmer werden, die Leistungsfähigkeit des Cityrings aber erhalten bleiben.
Wohnen & Bauen
Gefordert werden eine geförderte Miete von 9 Euro je Quadratmeter, 50 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital für die städtische hanova, die konsequente Durchsetzung der Zweckentfremdungssatzung und die konsequente Nutzung des Bau-Turbos: Die Verwaltung soll begründen müssen, wenn sie ihn nicht anwendet.
SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, S. 9–11 · SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, Abschnitt „Bauen muss einfacher werden“
Digitales & Verwaltung
Für die Service-Plattform Region Hannover setzt das Programm bis 2031 das Ziel, 80 Prozent der regionalen Dienstleistungen vollständig digital anzubieten. Für die Stadt fordert es Once-Only, KI zur Entlastung der Beschäftigten, offene Schnittstellen, Open Source, regionale Rechenzentren und mehr digitale Souveränität.
Klima & Energie
Das Programm bekennt sich ausdrücklich zum Ziel, Hannover bis 2035 klimaneutral zu machen.
Sicherheit & Ordnung
Die Präsenz des Ordnungsdienstes soll in den Abendstunden verbessert und der Dienst an Wochenenden bis 3 Uhr verstetigt werden.
Bildung & Schule
Haupt- und Realschulen sollen schrittweise in Gesamtschulen umgewandelt werden; langfristig soll ein Zwei-Säulen-System aus Gesamtschulen und Gymnasien entstehen.
CDU
13 SitzeSchwerpunkte
Tritt mit Peter Karst an. Neben dem Kurzwahlprogramm des Stadtverbands ist seine Kampagnenseite die zweite belegte Quelle; ihre Aussagen sind seine und stehen bei seiner Kandidatur.
Wohnen & Bauen
Das Kurzwahlprogramm setzt auf zusätzliches Angebot statt strengerer Regulierung des Bestands.
Digitales & Verwaltung
Standardverfahren sollen konsequent digitalisiert und digitale wie persönliche Beratung gleichermaßen verbessert werden. Zu Open Source, digitaler Souveränität und KI in der Verwaltung liegen keine belegten Positionen vor.
Soziales & Teilhabe
Attraktive Plätze und eine lebendige Innenstadt stehen im Programm neben der Lebensqualität in allen Stadtteilen; eine Rangfolge zwischen beidem nennt es nicht.
Bildung & Schule
Gefordert werden der weitere Ausbau der Sprachförderung, zusätzliche Kita- und Krippenplätze sowie die Wahlfreiheit zwischen Hort und Ganztagsbetreuung.
FDP
4 SitzeSchwerpunkte
Ein eigenes Kommunalwahlprogramm für die Stadt Hannover war nicht auffindbar. Das vorliegende Programm der FDP Region Hannover gilt der Regionsversammlung und beschreibt die Regionsverwaltung, nicht die Stadtverwaltung — die folgenden Angaben sind deshalb ausdrücklich Regionsebene.
Digitales & Verwaltung
Für die Regionsverwaltung fordert das Programm bis 2030 vollständig digitale Verwaltungsleistungen, eine zentrale Bürger-App, ein One-Stop-Shop-Prinzip, Echtzeit-Statusanzeigen und KI-gestützte Genehmigungsverfahren. Ein ebenso konkretes Programm für die Stadtverwaltung war nicht auffindbar.
Die Linke
4 SitzeSchwerpunkte
Tritt mit Maren Kaminski an. Programmquelle ist das Kommunalwahlprogramm des Kreisverbands Region Hannover, das durchgehend von den Kommunen der Region spricht.
Wohnen & Bauen
Für dauerhaft günstige Wohnungen setzt das Programm vorrangig auf kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbaugesellschaften. Es fordert verbindliche Zweckentfremdungssatzungen für alle Kommunen der Region, kommunale Leerstandsregister und Bußgelder bei Verstößen.
Digitales & Verwaltung
Öffentliche Aufträge für IT-Dienstleistungen sollen nur an Unternehmen gehen, die Open-Source-Lösungen anbieten; der Zugang zu Sozialleistungen soll auch digital möglich sein.
Haushalt & Finanzen
Das Programm lehnt eine auf Kürzungen ausgerichtete Haushaltspolitik ab, will freiwillige soziale Leistungen sichern und fordert ausdrücklich eine kommunale Koordination zur Erhöhung der Gewerbesteuer.
Bildung & Schule
Gefordert werden die Gemeinschaftsschule für alle bis zur zehnten Klasse und ein bedarfsdeckender Ausbau der Betreuungsplätze mit einem Recht jeder Familie auf einen wohnortnahen Platz.
Bewerbung Maren Kaminski, Januar 2026 · Ergebnis Kommunalwahl 2021
AfD
3 SitzeSchwerpunkte
Tritt mit Jessica Schülke an; nach einer Prüfung der Verfassungstreue ließ der Gemeindewahlausschuss die Kandidatur am 23. Juli 2026 zu. Das Kommunalwahlprogramm datiert vom 17. Juli 2026.
Verkehr & Innenstadt
Autofreie Zonen lehnt das Programm ab. Es fordert ein Ende des Parkplatzrückbaus und mehr Parkmöglichkeiten; Radwege sollen andere Verkehrsarten nicht behindern.
Wohnen & Bauen
Das Programm setzt auf neue Bauflächen und will Zweckentfremdungssatzung, Stellplatzsatzung und Sozialwohnungsquote als aus seiner Sicht übermäßige Regulierungen abbauen.
Digitales & Verwaltung
Gefordert werden eine komplette Digitalisierung der Verwaltungsdienste bis 2028, verbindliche Fristen und KI-gestützte Genehmigungsverfahren.
Sicherheit & Ordnung
Das Programm fordert einen deutlich präsenteren, besser ausgestatteten Ordnungsdienst und gezielte Videoüberwachung unter anderem am Kröpcke, Steintor, Raschplatz und Ernst-August-Platz.
Haushalt & Finanzen
Die Gewerbesteuer soll nicht angehoben und nach einer Sanierung des Haushalts gesenkt werden. Ausgaben sollen zurückgefahren, nicht zwingende Großprojekte gestrichen und frei werdende Verwaltungsstellen grundsätzlich nicht nachbesetzt werden. Die Spitzenkandidatin kündigt Kürzungen unter anderem bei Kultur- und Wohnungsförderung sowie bei Integrationsprojekten an.
AfD-Kommunalwahlprogramm Hannover 2026, S. 11 und 15 · HAZ, Kandidatin plant harte Einschnitte
Stadt Hannover, Neun Bewerber*innen für das OB-Amt · Ergebnis Kommunalwahl 2021
Piratenpartei
1 SitzeSchwerpunkte
Tritt mit Bruno Adam Wolf an; belegte Quelle ist die Kandidatenvorstellung der Partei.
Verkehr & Innenstadt
Vorrang für Fuß-, Rad- und elektrischen Individualverkehr; einen Ausbau des Südschnellwegs lehnt die Partei ab.
Wohnen & Bauen
Gefordert wird eine kommunale Wohnbauoffensive, unter anderem mit Wohnungen auf Supermärkten und Parkgaragen.
Digitales & Verwaltung
Die klarste Positionierung im Feld: Umstellung von Stadtverwaltung und Schulen auf Open Source, ausdrückliche Ablehnung von Microsoft und Apple an Schulen zum Schutz der Schülerdaten, Unabhängigkeit von US-Techkonzernen sowie mehr Transparenz über einen dauerhaften Bürgerrat.
Soziales & Teilhabe
Ziel ist, Obdachlosigkeit in Hannover bis 2030 abzuschaffen.
Volt
1 SitzeSchwerpunkte
Führt ein 68-seitiges Kommunalwahlprogramm 2026; eine eigene OB-Kandidatur stellt Volt nicht.
Verkehr & Innenstadt
Das Programm will eine autoarme Innenstadt und den Ausbau der Stadtbahn entlang des MHH-Neubaus.
Wohnen & Bauen
Mehr kommunaler Wohnraum durch Neubau und Rückkauf, dazu Housing First.
Digitales & Verwaltung
Gefordert werden digitale Souveränität mit Open Source und europäischen Anbietern, vollständig digitale Verwaltungsprozesse, eine Hannover-App als zentrales Portal und ein unterstützender, nicht ersetzender Einsatz von KI.
Klima & Energie
Stadt und Region sollen bis 2035 klimaneutral werden.
Die PARTEI
1 SitzeSchwerpunkte
Das Programm ist satirisch angelegt: Es fordert unter anderem, den Betrieb der S-Bahn der Üstra zu übertragen, „Umzugsbahnen“ für Möbeltransporte einzuführen und die Nordstadt in eine Einbahnstraße für Fahrräder umzuwandeln. Sachpolitische Positionen lassen sich daraus nicht ableiten; zur Kommunalwahl 2026 tritt Die PARTEI zur Ratswahl nicht mehr an.
DIE HANNOVERANER
1 SitzeSchwerpunkte
Tritt mit Thorsten Meyer an und führt ein eigenes Kommunalwahlprogramm 2026.
Verkehr & Innenstadt
Eine autofreie oder autoarme Innenstadt lehnt das Programm derzeit ab und will alle bestehenden Parkplätze erhalten. Den Ausbau des Radwegenetzes unterstützt es, den Wegfall von Parkplätzen zugunsten von Velorouten nicht. Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen lehnt es ab, günstigere Parkgebühren in der City fordert es.
Wohnen & Bauen
Bezahlbares Wohnen soll über Nachverdichtung und das Schließen von Baulücken entstehen; geprüft werden soll, ob brachliegende Ackerflächen am Stadtrand Bauland werden können.
Digitales & Verwaltung
Das Programm fordert eine effizientere Stellenplanung und weitere Digitalisierung an Schulen, enthält aber keine Strategie für digitale Verwaltungsleistungen, Open Source oder digitale Souveränität.
Sicherheit & Ordnung
Gefordert werden ein personell deutlich verstärkter, besser bezahlter und besser ausgestatteter Ordnungsdienst sowie ein spürbarer Ausbau der Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten und an allen oberirdischen Haltestellen.
Haushalt & Finanzen
Steuer- und Gebührenerhöhungen sollen vermieden, die Gewerbesteuer gesenkt, Ausgaben regelmäßig auf Zweckmäßigkeit geprüft und Förderungen gekürzt werden.
Soziales & Teilhabe
Fördermittel sollen ausdrücklich zulasten anderer Vereine zugunsten der Sportvereine umgeschichtet werden.
Bildung & Schule
Ein dreigliedriges System aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium bezeichnet das Programm als beste Struktur und lehnt die Gesamtschule als Regelschule ab.
Migration & Integration
Asylbewerber im laufenden Verfahren und ausreisepflichtige Personen sollen grundsätzlich in Gemeinschaftsunterkünften und nicht in eigenen Wohnungen untergebracht werden.
Worüber verglichen wird
Die 24 Thesen zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover
Alle Thesen dieses Checks mit Hintergrund und Quellen — auch ohne den Fragebogen durchzuklicken. Jede Frage hat eine eigene Seite mit allen dokumentierten Positionen, Begründungen und Belegen; wie viele Kandidaturen dort belegt sind, steht jeweils dabei.
Verkehr & Innenstadt
Radwege vor Fahrspuren und Parkplätzen
Radwege sollen weiter ausgebaut werden, auch wenn dafür Fahrspuren oder Parkplätze für Autos wegfallen.
Beim Umbau von Straßen stellt sich regelmäßig die Verteilungsfrage: Wer bekommt wie viel vom vorhandenen Straßenraum? Unstrittig ist der Wunsch nach sicheren Radwegen — strittig ist, ob dafür Flächen des Autoverkehrs entfallen dürfen.
Ein anstehender Fall ist die Georgstraße am Opernplatz: Die Verwaltung hat im Juni 2026 beantragt, den Abschnitt zwischen Ständehausstraße und An der Börse umzugestalten und den Radverkehr auf die Fahrbahn zu verlegen. Die dortigen Längsparkstände entfallen dabei bis auf die Behindertenstellplätze vollständig. Grundlage ist Punkt 39 des Innenstadt-Maßnahmenpakets vom Januar 2025, der den Opernplatz zum ganzjährigen Erlebnisort machen und die Georgstraße dort in eine Fußgängerzone umwandeln soll. Die Gesamtkosten sind mit 3.200.000 Euro veranschlagt, davon 1.280.000 Euro Fördermittel; auf die Stadt entfielen netto 1.920.000 Euro.
Über Teileinziehung, Umbau und Mittelfreigabe entscheiden Stadtbezirksrat, Bauausschuss und Verwaltungsausschuss. Die Beratung läuft noch: Der Stadtbezirksrat Mitte zog die Drucksache am 22. Juni 2026 auf Wunsch der FDP in die Fraktionen, die nächste Beratung dort ist für den 31. August 2026 angesetzt, Stadtentwicklungs- und Bauausschuss sowie Verwaltungsausschuss folgen danach.
Quellen (2)
Dafür spricht: Beim Umbau von Straßen soll Hannover Platz für sichere Radwege schaffen, auch wenn dafür eine Fahrspur oder eine Parkplatzreihe entfällt.
Dagegen spricht: Die vorhandenen Fahrspuren und Parkplätze sollen erhalten bleiben; Radwege soll Hannover nur dort ausbauen, wo dafür keine Autoflächen wegfallen.
Belegte Positionen von 3 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Trasse für die Stadtbahn zur MHH
Hannover soll im Bebauungsplan die Flächen für eine Stadtbahntrasse zur neuen MHH freihalten.
Die Medizinische Hochschule Hannover erhält einen Neubau. Für dessen Anbindung hat der Verwaltungsausschuss der Stadt am 20. November 2025 die Aufstellung des Bebauungsplans „Stadtfelddamm“ beschlossen, um eine mögliche Stadtbahntrasse freizuhalten. Der Satzungsbeschluss steht noch aus. Über Trasse, Bau und Finanzierung entscheiden Land und Region Hannover, die Landesbehörde bereitet ein Planfeststellungsverfahren vor.
Im Juni 2026 legte eine Arbeitsgruppe von Land, Stadt und Region eine Westroute als Kompromiss vor: Sie führt am zweiten Bauabschnitt der Klinik vorbei, dessen Planungen erst beginnen, und hält nach Einschätzung des Landes genug Abstand zu empfindlichen Geräten. Ihr Preis: Damit sie sich rechnet, müsste westlich der MHH ein Wohngebiet mit rund 500 Wohnungen entstehen. Insgesamt müssten rund 430 Kleingärten weichen — 131 für die Trasse, gut 300 für das Wohngebiet — gegenüber 108 bei der Variante am Stadtfelddamm.
Die Entscheidung ist auf die Zeit nach der Wahl verschoben.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll die Fläche am Stadtfelddamm planungsrechtlich sichern, damit die neue MHH einen eigenen Stadtbahnanschluss bekommen kann.
Dagegen spricht: Hannover soll die Fläche nicht binden: Über Trasse und Finanzierung entscheiden Land und Region, und der Campus lässt sich auch mit Bussen erschließen.
Zu dieser These liegt bislang keine belegte Position vor. Positionen und Quellen ansehen
Bewusste Fragebogen-These nach erneutem Volltextabgleich der einschlägigen Kandidaten- und Parteiquellen. Die Quellen von Onay, Karst, von der Ohe und Die Linke befürworten jeweils einen Stadtbahnanschluss oder eine Trassenvariante; keine trägt aber die hier abgefragte, engere Entscheidung, im Bebauungsplan Flächen freizuhalten. Aus einer allgemeinen Befürwortung darf keine rechnerische Position zur Bauleitplanung folgen. Die Entscheidung muss deshalb direkt im Fragebogen abgefragt werden.
Weitgehend autofreie Innenstadt
Hannovers Innenstadt soll weitgehend autofrei werden.
Die Verwaltung hatte 2023 ein Mobilitätskonzept für die Innenstadt vorgelegt, nach dem der Cityring zur Grenze für nicht-ortsgebundenen Autoverkehr werden sollte: Fahrzeuge mit Ziel in der Innenstadt würden über Stichstraßen direkt in die Parkhäuser geleitet, Durchgangsverkehr bliebe außen. Der Rat ist dem nicht gefolgt. Am 30. Januar 2025 hat er auf gemeinsamen Antrag von SPD, CDU und FDP ein Maßnahmenpaket beschlossen, das die Umbauvorschläge der Verwaltung ausdrücklich ersetzt.
Der beschlossene Kurs ist ein Kompromiss. Die rund 4.000 oberirdischen Stellplätze bleiben außerhalb der neuen Fußgängerzonen erhalten, und die Leistungsfähigkeit des Cityrings soll durch Beibehaltung seines gegenwärtigen Ausbauzustands gesichert werden. Zugleich wurden weitere Fußgängerzonen beschlossen, darunter die Georgstraße am Opernplatz sowie ein Abschnitt von Oster- und Karmarschstraße. Abgestimmt wurde in zwei Teilen: zehn namentlich benannte Maßnahmen mit 37 zu 24 Stimmen, alle übrigen mit 39 zu 22 Stimmen.
Die Frage ist damit, ob die nächste Ratsperiode über diesen Kompromiss hinausgehen soll.
Quellen (2)
Dafür spricht: Hannover soll den Autoverkehr in der Innenstadt auf Fahrten mit Ziel dort begrenzen und ihn über den Cityring in die Parkhäuser führen.
Dagegen spricht: Die Innenstadt soll mit dem Auto erreichbar und durchfahrbar bleiben, auch für Fahrten ohne Ziel in der Innenstadt.
Belegte Positionen von 4 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Wohnen & Bauen
Ihme-Zentrum: Sockel kaufen
Hannover soll den Gewerbesockel des Ihme-Zentrums mit städtischem Geld erwerben.
Der Gewerbesockel der Großimmobilie in Linden verfällt seit Jahren. Die Gesellschaft des Investors Lars Windhorst ist insolvent, und zwei Grundschulden über zusammen 290 Millionen Euro zugunsten des Unternehmers Ulrich Marseille blockieren jede Entwicklung.
Die Stadt will dem Insolvenzverwalter ein Massedarlehen von bis zu einer Million Euro zur Verfügung stellen, mit dem er diese Grundschulden gerichtlich anfechten soll; der Gläubigerausschuss hatte ihn dazu am 12. Juni 2026 beauftragt. Der Rat hat die Bereitstellung nach dem Bericht der Immobilien Zeitung am 25. Juni 2026 beschlossen; ein Sitzungsprotokoll und eine Drucksachennummer sind bislang nicht veröffentlicht. Ein Darlehen zur Prozessfinanzierung ist ohnehin kein Erwerb: Es räumt die Schuldenlast aus dem Weg, entscheidet aber nicht, wem der Gewerbesockel danach gehört.
Zugleich will die Stadt über einen neuen Bebauungsplan Druck auf die Eigentümer machen. Ein Baugebot und Enteignungen schließt der Oberbürgermeister nicht aus. Der Verwaltungsausschuss hat im Januar 2025 einstimmig ein Gutachten zu den städtischen Handlungsoptionen beauftragt, das ausdrücklich auch die Instrumente des besonderen Städtebaurechts prüfen soll.
Ein Erwerb durch die Stadt brächte die Entwicklung in die öffentliche Hand, belastet aber einen Haushalt, der bereits ein Defizit ausweist.
Quellen (5)
- HAZ, Klage, Bürgeranleihe, Sondervermögen – die Optionen, 25.06.2026
- Stadt Hannover, Massedarlehen zur Anfechtung der Grundschulden, 22.06.2026
- Immobilien Zeitung 27/2026, Klage gegen die Grundschulden des Ihme-Zentrums, 02.07.2026
- HAZ, Onay denkt über Enteignung nach, 29.04.2026
- Beschlussdrucksache 2185/2024 N1, Gutachten zu städtischen Handlungsoptionen, Verwaltungsausschuss 09.01.2025
Dafür spricht: Hannover soll den Gewerbesockel selbst erwerben und seine Entwicklung in die öffentliche Hand nehmen.
Dagegen spricht: Hannover soll kein städtisches Geld für einen Erwerb einsetzen, sondern die Eigentümer mit Baurecht und Rechtsmitteln zum Handeln zwingen.
Belegte Positionen von 3 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Wohnungsbau ohne Bebauungsplan
Hannover soll neue Wohnungen auch ohne förmliches Bebauungsplanverfahren genehmigen.
Ein Bundesgesetz vom Oktober 2025 erlaubt Kommunen befristet, Wohnungsbau mit ihrer Zustimmung ohne förmliches Bebauungsplanverfahren zu genehmigen. Hannover hat dafür Leitlinien erarbeitet, die Beschlussdrucksachen sind in den politischen Gremien.
Ohne Bebauungsplan entfallen Aufstellungsverfahren und förmliche Öffentlichkeitsbeteiligung, das Umweltrecht gilt weiter. Bei größeren Vorhaben soll die Vorgabe bestehen bleiben, dass mindestens 30 Prozent der neu ermöglichten Wohnungen gefördert sind.
Dafür spricht: Hannover soll die neue Möglichkeit nutzen und Wohnungsbau ohne Bebauungsplanverfahren zulassen, damit Baurecht schneller entsteht.
Dagegen spricht: Hannover soll Wohnungsbau weiter über Bebauungspläne steuern; ohne Plan entfallen förmliche Beteiligung und städtebauliche Abwägung.
Belegte Positionen von 2 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Zweckentfremdungssatzung behalten
Hannover soll seine Zweckentfremdungssatzung beibehalten.
Der Rat hat die Zweckentfremdungssatzung am 26. Juni 2025 mit 42 gegen 17 Stimmen beschlossen. Sie gilt seit dem 11. Juli 2025 und soll verhindern, dass Wohnungen als Ferienwohnung genutzt werden oder dauerhaft leer stehen. Angewandt wird das Zweckentfremdungsverbot zunächst für fünf Jahre.
Für den Vollzug hat der Rat bereits 2022 drei Stellen beschlossen und in den Stellenplan aufgenommen; zwei davon waren im Frühjahr 2025 nach mehreren erfolglosen Ausschreibungen noch unbesetzt. Bis Anfang Oktober 2025 waren stadtweit 41 Anträge auf Zweckentfremdung und 78 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Eine Genehmigung wurde bis dahin nicht erteilt, Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden nicht eingeleitet; Kontrolltermine waren in Vorbereitung.
Strittig ist, ob solche Eingriffe in den Bestand den Markt entlasten oder ob vor allem zusätzlicher Neubau hilft.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll die Zweckentfremdungssatzung behalten und ihre Einhaltung weiter kontrollieren.
Dagegen spricht: Hannover soll die Zweckentfremdungssatzung wieder aufheben und ihren Vollzug einstellen.
Belegte Positionen von 4 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Sozialquote über 30 Prozent
Bei Wohnungsbauprojekten, für die Hannover neues Baurecht schafft, soll die Mindestquote für geförderte Wohnungen über 30 Prozent steigen.
Wo Hannover neues Baurecht schafft, verpflichtet die Stadt Investorinnen und Investoren über städtebauliche Verträge, mindestens 30 Prozent der Wohnungen als geförderten Wohnungsbau zu errichten — die sogenannte Sozialquote. Geförderte Wohnungen haben gebundene Mieten und dürfen nur an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden.
Eine höhere Quote bringt mehr preisgebundene Wohnungen aus demselben Bauvorhaben. Gegen eine Erhöhung wird eingewandt, sie verschiebe die Kosten auf die übrigen Wohnungen des Projekts und könne Vorhaben unrentabel machen; eine örtliche Projektkalkulation, die das für Hannover beziffert, liegt nicht vor.
Für eine Erhöhung spricht der Bindungsauslauf: Nach dem Wohnkonzept 2035 könnten bis Ende 2026 fast ein Viertel der geförderten Wohnungen wegfallen. Zum 31. März 2025 verfügte die Stadt über Belegrechte an 18.623 Wohnungen.
Quellen (2)
Dafür spricht: Hannover soll bei neuen Baurechten mehr geförderte Wohnungen verlangen.
Dagegen spricht: Hannover soll es bei den geltenden 30 Prozent belassen.
Belegte Positionen von 3 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
50 Millionen Euro Eigenkapital für die hanova
Hannover soll der hanova 50 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital geben.
Eigenkapital ist kein Kredit, sondern Geld, das die Stadt als Eigentümerin in die Gesellschaft einbringt. Das SPD-Zukunftsprogramm 2026 fordert 50 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital für die hanova — für mehr aktives Flächenmanagement, mehr Eigenbau und den Ankauf von Bestandsimmobilien für Privathaushalte und Gewerbe. Laut Programm könnte die hanova dadurch mit 250 Millionen Euro am Markt aktiv werden.
Im Doppelhaushalt 2023/2024 beschloss der Rat bereits eine Kapitalzuführung von insgesamt 11 Millionen Euro: 5 Millionen für 2023 und 6 Millionen für 2024. Sie war insbesondere für den Programmbereich E des städtischen Wohnraumförderprogramms bestimmt; die hanova sollte damit eine Gesamtquote von mindestens 80 Prozent gefördertem Wohnraum erreichen.
Ein Antrag der Linken über 25 Millionen Euro für weiteren öffentlich geförderten Wohnraum wurde am 22. Dezember 2022 gegen sieben Stimmen abgelehnt. Am 27. November 2024 lehnte der Haushaltsausschuss einen Antrag von Grünen, Volt und Piraten mit fünf zu sechs Stimmen ab, die jährliche Gewinnausschüttung der hanova Wohnen an die Stadt zu halbieren.
Quellen (5)
- SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, gedruckte S. 10 / PDF-S. 14
- Änderungsantrag H-0291/2023, 11 Millionen Euro Kapitalzuführung an die hanova Wohnen
- Haushaltsplan 2023/2024, 2. Ergänzung, Ratsbeschluss 22.12.2022
- Änderungsantrag H-0522/2023, Eigenkapitalerhöhung der hanova Wohnen, Ratsversammlung 22.12.2022
- Änderungsantrag H-0456/2025, Halbierung der Gewinnausschüttung, Haushaltsausschuss 27.11.2024
Dafür spricht: Die Stadt soll der hanova 50 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital geben.
Dagegen spricht: Die Stadt soll der hanova keine weiteren 50 Millionen Euro Eigenkapital geben.
Belegte Positionen von 1 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Digitales & Verwaltung
Quelloffene Software bevorzugen
Bei neuer Verwaltungssoftware soll Hannover quelloffene Lösungen bevorzugen.
Städtische Verwaltungen arbeiten überwiegend mit Software US-amerikanischer Konzerne. In Hannover ist daraus 2026 ein konkreter Fall geworden: Die Bildungsdezernentin untersagte im April die Nutzung von Microsoft Education an den Schulen aus Datenschutzgründen — die Stadt hatte einen unzureichenden Auftragsverarbeitungsvertrag für die Daten der Schülerinnen und Schüler geschlossen.
Eine dezernatsübergreifende Taskforce stellte Defizite bei der Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen und bei der Kontrolle interner Regelungen fest. Bis Jahresende soll die Digitalisierung der Schulen neu aufgesetzt werden, wobei ausdrücklich auch Open-Source-Lösungen in die Softwareüberlegungen einbezogen werden.
Wie groß die Abhängigkeit finanziell ist, hat die Verwaltung 2025 auf Anfragen im Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel beziffert: Für 2024 nennt sie 2.565.000 Euro für Microsoft Office 365 und 2.512.000 Euro für Microsoft-Produkte im Eigenbetrieb, dazu 182.700 Euro für Adobe-Lizenzen und 145.000 Euro für Zoom. Auf eine zweite Anfrage erklärte sie, quelloffene Produkte im Rechenzentrum vielfältig einzusetzen — „Es gibt keine aktuellen Aktivitäten um dies zu intensivieren.“ Geprüfte Office-Alternativen hätten Nachteile bei Ergonomie und Funktionsumfang; zugleich gebe es „bei Softwarelösungen egal ob US-Hersteller oder Open-Source immer Abhängigkeiten und Risiken“.
Zum Vergleich: Das Land Niedersachsen prüft nach eigener Digitalstrategie bei jeder Softwareentscheidung quelloffene Programme und nutzt in der Steuerverwaltung auf 15.000 Arbeitsplätzen LibreOffice, setzt daneben aber weiter auf Microsoft-Produkte. Umstritten sind Kosten, Tempo und Praxistauglichkeit einer Umstellung.
Quellen (5)
- HAZ, Nach dem Debakel mit Microsoft: So stellt die Stadt ihre Schul-IT neu auf, 07.07.2026
- Stadt Hannover, Hannover stellt Schul-IT neu auf (abgerufen 04.08.2026)
- Antwort der Verwaltung 15-0481/2025 F1, eingesetzte Software und deren Kosten, Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel 13.03.2025
- Antwort der Verwaltung 15-0881/2025 F1, Einsatz quelloffener Software, Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel 15.05.2025
- eGovernment, Niedersachsen: Mix aus Open Source und Microsoft
Dafür spricht: Bei jeder Neubeschaffung soll Hannover zuerst prüfen, ob eine quelloffene Lösung den Zweck erfüllt, und ihr dann den Vorzug geben.
Dagegen spricht: Hannover soll Software allein nach Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit auswählen, ohne quelloffene Produkte zu bevorzugen.
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Personal für persönliche Beratung
Hannover soll Personal eher für persönliche Ansprechpartner einsetzen als für den weiteren Ausbau von Online-Diensten.
Online-Dienste entlasten Verwaltung und Bürgerschaft, setzen aber Zugang und Sicherheit im Umgang mit ihnen voraus.
Der Rat hat im September 2024 beschlossen, die Bürgerämter neu auszurichten — mit mehr digitalen Angeboten, einem mobilen Bürgeramt und einem ausdrücklich ergebnisoffenen Verfahren zur Standort- und Arbeitsplatzoptimierung. In ihrer Antwort auf die Anfrage der CDU-Fraktion erklärte die Verwaltung am 3. November 2025, sie entwickle derzeit eine ganzheitliche Strategie für die Bürgerservices. Dabei würden auch „Standorte und Betriebsgrößen“ bewertet, und ein breit angelegter Beteiligungsprozess werde vorbereitet.
Den Zielkonflikt benennt sie selbst: Der Weg von der analogen zur digitalen Dienstleistung müsse unter Berücksichtigung finanzieller und personeller Ressourcen gestaltet werden, zugleich aber den Bedarf an persönlicher Ansprechbarkeit und ein „Recht auf eine analoge Welt“ berücksichtigen.
Persönliche Beratung parallel zu erhalten bindet dauerhaft Personal. Der Ausbau digitaler Verfahren bindet dasselbe Personal in der Umstellung. Beide Wege konkurrieren um dieselben Stellen.
Quellen (3)
Dafür spricht: Verfügbare Personalmittel sollen zuerst in persönliche Ansprechpartner fließen.
Dagegen spricht: Verfügbare Personalmittel sollen zuerst in den Ausbau der Online-Dienste fließen.
Zu dieser These liegt bislang keine belegte Position vor. Positionen und Quellen ansehen
Bewusst über den Fragebogen zu beantworten. Der Durchlauf vom 29.07.2026 hat alle sechs verfügbaren Programme und Kampagnenseiten geprüft: Sie versprechen Zugang für alle und begleitende Unterstützung, aber keine von ihnen sagt, wofür knappes Personal vorrangig eingesetzt werden soll. Das ist keine Recherchelücke, sondern die Eigenart einer Vorrangfrage — Programme formulieren Ziele, keine Rangfolgen. Zwei Fundstellen (Onay, von der Ohe) sind als Quellenhinweise sichtbar und bewusst nicht gerechnet. Die Auswertung des Ratsinformationssystems am selben Tag bestätigt das: Der Ratsbeschluss zu den Bürgerämtern belegt die Entscheidungslage, enthält aber keine einer Kandidatur zurechenbare Rangfolge.
Klima & Energie
Klimaneutral bis 2035
Hannover soll am Ziel festhalten, bis 2035 klimaneutral zu sein.
Der Rat hat im Juni 2020 beschlossen, Hannover bis 2035 möglichst klimaneutral zu machen und die Ziele des früheren Masterplans um 15 Jahre vorzuziehen: 95 Prozent weniger Treibhausgase und 50 Prozent weniger Energieverbrauch. Das Zieljahr liegt damit zehn Jahre vor dem des Bundes. Das Klimaschutzprogramm hinterlegt zehn Handlungsfelder mit konkreten Maßnahmen.
Wie weit die Stadt ist, weist sie seit Januar 2026 erstmals vollständig nach der bundeseinheitlichen Systematik BISKO aus; dafür wurden auch die Vergleichsjahre 1990 und 2020 neu berechnet, ältere Angaben sind damit nicht ohne Weiteres vergleichbar. Für 2024 nennt die Bilanz 3,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente — 49 Prozent weniger als 1990 — und 5,6 Tonnen pro Kopf. Der Endenergieverbrauch lag bei rund 9.900 Gigawattstunden, 30 Prozent unter 1990.
Im Verkehr liegen Verbrauch und Emissionen weiterhin über dem Stand von 1990. Rund die Hälfte der bilanzierten Verkehrsemissionen entfällt auf die Autobahnabschnitte im Stadtgebiet, deren Transitverkehr die Stadt nach eigener Darstellung kaum beeinflussen kann.
Ein Gutachten des Leipziger Instituts für Energie, das noch vor dieser Umstellung entstand, kommt für 2035 auf nur 60 Prozent Minderung, wenn der Ausstoß im bisherigen Tempo sinkt. 91 Prozent hält es für möglich, dafür seien aber „weitere verstärkte und zusätzliche Bemühungen erforderlich“.
Umstritten ist, ob das Ziel angesichts von Kosten und Umsetzungstempo zu halten ist.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll am Ratsbeschluss von 2020 festhalten und die Maßnahmen zur Klimaneutralität bis 2035 weiter finanzieren.
Dagegen spricht: Hannover soll das Zieljahr 2035 aufgeben, sich am Bundesziel 2045 orientieren und die Maßnahmen entsprechend strecken.
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Sicherheit & Ordnung
Mehr Videoüberwachung
Hannover soll die im städtischen Sicherheitskonzept vorgesehene zusätzliche Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten gemeinsam mit der Polizei umsetzen.
Die Stadt hat im Januar 2026 ein integriertes Sicherheits- und Stadtbildkonzept vorgestellt. Es nennt als einen von zehn Bausteinen die Modernisierung und den Ausbau der Videoüberwachung: In enger Abstimmung mit der Polizei sollen bestehende Anlagen erneuert und neue Standorte an Kriminalitätsschwerpunkten eingerichtet werden; erste neue Standorte sollen nach dem Konzept noch 2026 aufgebaut werden.
Zugrunde liegt ein Ratsauftrag vom Oktober 2024, mit dem die Verwaltung aufgefordert wurde zu prüfen, ob neue Kriminalitätsschwerpunkte zusätzliche Videoüberwachung rechtfertigen. Im Juni 2025 berichtete die Verwaltung dem Rat, Polizeidirektion und Stadt hätten dafür bereits eine Reihe von Standorten identifiziert.
Eigene Kameras betreibt die Stadt im öffentlichen Raum nach Auskunft der Verwaltung in der Ratsversammlung vom 24. Oktober 2024 nicht. Die Anlagen gehören der Polizeidirektion, die neue Standorte im Einvernehmen mit dem Landesdatenschutzbeauftragten einrichtet.
Kritisch diskutiert werden Wirksamkeit und Eingriff in die Privatsphäre.
Quellen (5)
- Stadt Hannover, Sicherheitskonzept, 15.01.2026
- Informationsdrucksache 0057/2026, „Hannover – Mit Sicherheit zusammen!“, Abschnitt 6
- Protokoll der Ratsversammlung, 24.10.2024, TOP 5.5
- Änderungsantrag 2029/2024 N1, Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum, Punkt 4, Ratsbeschluss 24.10.2024
- Protokoll der Ratsversammlung, 26.06.2025, Sachstand zu den identifizierten Kamerastandorten
Dafür spricht: Hannover soll die im Sicherheitskonzept angekündigten zusätzlichen Kamerastandorte an Kriminalitätsschwerpunkten mit der Polizei einrichten.
Dagegen spricht: Hannover soll den Ausbau der Videoüberwachung aus dem Sicherheitskonzept nicht weiterverfolgen und stattdessen auf Beleuchtung, Sozialarbeit und Präsenz setzen.
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Mehr Präsenz des Ordnungsdienstes
Der städtische Ordnungsdienst soll auf der Straße und zu Randzeiten mehr Präsenz zeigen.
Mehr Präsenz kann durch zusätzliche Stellen, andere Dienstzeiten oder eine veränderte Einsatzplanung entstehen. Die These fragt nach dem sichtbaren Ergebnis. Über Personal und Organisation entscheidet die Stadt bei der Umsetzung.
Das Sicherheitskonzept vom Januar 2026 sieht Ordnungsbotschafter*innen in allen Stadtbezirken außer Mitte, eine gestärkte Leitstelle des Ordnungsdienstes und den Aufbau auf 75 besetzte Stellen bis zum Sommer 2026 vor. Langfristig sind 100 Stellen angestrebt.
Quellen (2)
Dafür spricht: Der Ordnungsdienst soll abends und am Wochenende sichtbar auf der Straße unterwegs sein.
Dagegen spricht: Der Ordnungsdienst soll sich auf seine Kernaufgaben zu regulären Zeiten beschränken.
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Wirtschaft & Standort
Zentrale Anlaufstelle für Betriebe
Hannover soll eine zentrale Anlaufstelle schaffen, die Betriebe durch die städtische Verwaltung lotst.
Für ein betriebliches Vorhaben sind in der Regel mehrere Fachbereiche zuständig — Bauaufsicht, Umwelt, Verkehr, Gewerbe.
Der Rat hat die Verwaltung am 20. November 2025 mit 31 gegen 25 Stimmen beauftragt, ein Konzept für eine zentrale Anlaufstelle („One-Stop-Agency“) zu erarbeiten. Es soll vor den Haushaltsberatungen 2027/2028 vorliegen.
Eine solche Lotsenstelle bündelt Zuständigkeiten, erfordert aber Personal und Durchgriffsrechte quer zu den Fachbereichen.
Dafür spricht: Hannover soll eine Lotsenstelle einrichten, die Betriebe durch alle beteiligten Fachbereiche begleitet.
Dagegen spricht: Hannover soll keine Lotsenstelle einrichten und die Fachbereiche ihre eigenen Verfahren beschleunigen lassen.
Belegte Positionen von 1 der 9 Kandidaturen. Positionen und Quellen ansehen
Leerstand aktiv zwischennutzen
Die Stadt soll leerstehende Ladenflächen in der Innenstadt selbst anmieten und für Zwischennutzungen weitergeben.
Der Einzelhandel in den Innenstädten schrumpft, Leerstände prägen zunehmend das Bild. Hannover hat mit dem „aufhof“ eine leerstehende Kaufhausimmobilie befristet zwischengenutzt. Das Projekt ist abgeschlossen und wird daraufhin geprüft, ob es sich dauerhaft etablieren ließe.
Bereits das Innenstadt-Maßnahmenpaket vom Januar 2025 verlangte eine Leerstandsstrategie, bei der „eine Anmietung von Leerständen durch die Landeshauptstadt und eine anschließende Untervermietung an Geschäftstreibende berücksichtigt wird“. Der Rat hat im April 2026 beschlossen, Leerstände über das Innenstadtmanagement systematisch zu erfassen, zu vermitteln und für Zwischennutzungen zu öffnen — eine Anmietung durch die Stadt sieht dieser Beschluss nicht vor.
Eine Stadt kann abwarten und auf den Markt setzen — oder selbst als Zwischenmieterin auftreten und damit unternehmerisches Risiko und laufende Kosten übernehmen.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll leerstehende Ladenflächen selbst anmieten und günstig an Zwischennutzer weitergeben.
Dagegen spricht: Hannover soll keine Ladenflächen anmieten und die Vermietung den privaten Eigentümern überlassen.
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Haushalt & Finanzen
Gewerbesteuer nicht erhöhen
Die Gewerbesteuer soll nicht erhöht werden, auch wenn der städtische Haushalt defizitär ist.
Seit dem 1. Januar 2025 gelten in Hannover 480 Punkte Gewerbesteuer und 900 Punkte Grundsteuer B. Der Doppelhaushalt 2025/2026 rechnet für 2026 mit einem Minus von 7,5 Millionen Euro. Die Kommunalaufsicht hat ihn ohne Einschränkungen genehmigt, hält aber fest, dass eine dauernde Leistungsfähigkeit nicht gegeben ist.
Bei anhaltendem Defizit steht die Frage im Raum, ob weitere Steuererhöhungen folgen — die Gewerbesteuer ist dabei der Hebel mit der größten Wirkung auf die Betriebe.
Quellen (3)
Dafür spricht: Der Gewerbesteuerhebesatz soll unverändert bleiben, auch wenn der Haushalt ein Defizit ausweist.
Dagegen spricht: Hannover soll den Gewerbesteuerhebesatz anheben, wenn der Haushalt anders nicht auszugleichen ist.
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Sanierung vor Neubau
Bei städtischen Gebäuden soll Hannover verfügbare Investitionsmittel vorrangig in die Sanierung des Bestands stecken, bevor neue Bäder, Schulen oder Sportstätten gebaut werden.
Hannovers öffentliche Gebäude gelten als eines der prägenden Themen dieser Kommunalwahl. Beide Wege binden dieselben Mittel: Der Neubau des Fössebads ist mit rund 70 Millionen Euro veranschlagt, während in anderen Bädern nach Darstellung der HAZ jahrelanger Sanierungsstau droht, weil das Geld nicht reicht. Der Sportstätten-Experte des Deutschen Schwimmverbands hat vorgerechnet, ein kleiner dimensionierter Neubau würde Mittel für die Sanierung anderer Bäder frei machen.
Für einen Neubau spricht, dass manche Gebäude wirtschaftlich nicht mehr sanierbar sind und Dauerreparaturen auf lange Sicht teurer kommen.
Die städtische Praxis kennt beide Richtungen. Für mehrere Bäder hat sich die Stadt im Mai 2026 um Mittel aus einem Bundesprogramm beworben, das ausdrücklich die Sanierung fördert und Ersatzneubauten nur in Ausnahmefällen. Bei einem Schulgebäude von 1956 hat die Verwaltung dagegen nach einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung Abriss und Neubau vorgeschlagen — eine Sanierung sei „nicht sinnvoll und nicht wirtschaftlich“; die Ausschüsse haben dem einstimmig zugestimmt.
Quellen (4)
- HAZ, 70 Millionen Euro teurer Neubau: Ist das viele Geld fürs Fössebad wirklich sinnvoll angelegt?, 12.12.2025
- HAZ, Vor der Kommunalwahl: Das sind die fünf entscheidenden Themen für Hannover, 13.04.2026
- Beschlussdrucksache 0948/2026, Bewerbung um Bundesmittel zur Bädersanierung, Verwaltungsausschuss 21.05.2026
- Beschlussdrucksache 2627/2025 N1, zentraler Auslagerungsstandort An Mußmanns Haube, Verwaltungsausschuss 05.03.2026
Dafür spricht: Verfügbare Investitionsmittel sollen zuerst in die Sanierung vorhandener Bäder, Schulen und Sportstätten fließen.
Dagegen spricht: Verfügbare Investitionsmittel sollen auch in Neubauten von Bädern, Schulen und Sportstätten fließen können.
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Sparen statt höhere Abgaben
Haushaltslücken soll die Stadt eher durch Sparen schließen als durch höhere Steuern und Gebühren.
Die Haushaltslage ist angespannt: Hannover arbeitet mit laufenden Haushaltssicherungsprogrammen — zum Haushaltssicherungskonzept XI legt die Verwaltung dem Rat jährlich einen Sachstandsbericht vor, zuletzt am 12. Januar 2026 —, und die Kommunalaufsicht stellt wie in den Vorjahren fest, dass eine dauernde Leistungsfähigkeit nicht gegeben ist.
Das Konzept hat ein Zielvolumen von 121,25 Millionen Euro; zum Umsetzungsstand 30. September 2025 waren davon 119,07 Millionen Euro konkretisiert. Es besteht nicht nur aus Einsparungen: Der größte Einzelposten ist die Erhöhung der Grundsteuer B mit einem Ziel von 25 Millionen Euro. Weitere Blöcke entfallen auf interne Optimierungen, freiwillige Zuwendungen, Beiträge städtischer Beteiligungen und auf eine erhoffte Entlastung durch Bund und Land, die bislang mit null zu Buche schlägt.
Grundsätzlich gibt es zwei Wege: Ausgaben kürzen — mit Folgen für Leistungen und Personal — oder Einnahmen erhöhen, was Betriebe und Haushalte belastet.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll Haushaltslücken vorrangig durch Ausgabenkürzungen schließen.
Dagegen spricht: Hannover soll Haushaltslücken vorrangig über höhere Steuern und Gebühren schließen.
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Soziales & Teilhabe
Sportförderung mit Vorrang
Bei der freiwilligen Vereinsförderung sollen Sportvereine Vorrang vor Kultur- und Sozialvereinen haben.
Hannover hat eine große Vereinslandschaft. Die Stadt fördert Sportvereine nach eigenen „Grundsätzen der Sportförderung“ mit Zuschüssen für Projekte, Pflegematerial und Sanierungen und entscheidet über Höhe und Verteilung selbst. Der Rat hat diese Grundsätze am 23. April 2026 auf gemeinsamen Antrag von SPD, CDU und FDP neu gefasst.
Weil es sich um freiwillige Zuwendungen aus demselben Haushalt handelt, begrenzen zusätzliche Mittel für den Sport unmittelbar, was für kulturelle und soziale Vereine bleibt.
Quellen (2)
Dafür spricht: Zusätzliche Mittel der freiwilligen Vereinsförderung sollen zuerst den Sportvereinen zugutekommen.
Dagegen spricht: Zusätzliche Mittel der freiwilligen Vereinsförderung sollen zwischen Sport, Kultur und Sozialem ausgewogen verteilt werden.
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Housing First ausbauen
Hannover soll zusätzliche Wohnungen für den Ansatz „Housing First“ bereitstellen.
„Housing First“ vermittelt wohnungslosen Menschen zuerst eine eigene Wohnung, ohne Vorbedingungen wie Suchtfreiheit — Beratung folgt danach.
Aus einem einjährigen Beteiligungsprozess liegen der Stadt seit April 2025 mehr als 60 Vorschläge vor. Die städtische Unterbringungsstrategie aus demselben Jahr gilt für wohnungslose und geflüchtete Menschen gemeinsam: Sie will den Schwerpunkt auf Wohnungen legen — Zielgröße 5.000 Plätze — und zugleich Gemeinschaftsunterkünfte für rund 2.000 Personen erhalten, die intensivere Unterstützung brauchen. Housing First ist darin ein eigener, kleinerer Baustein: die unmittelbare Vermittlung in private Wohnungen, mit oder ohne sozialarbeiterische Begleitung. Ein Jahr, bis wann die 5.000 Plätze erreicht sein sollen, nennt die Strategie nicht. Über die Umsetzung entscheidet die Ratspolitik.
Zusätzliche Housing-First-Wohnungen binden knappen Wohnraum.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll zusätzliche Wohnungen erwerben oder anmieten und sie wohnungslosen Menschen ohne Vorbedingungen überlassen.
Dagegen spricht: Hannover soll wohnungslose Menschen vorrangig in Unterkünften mit Betreuung unterbringen und dafür keine zusätzlichen Wohnungen binden.
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Öffentliche Räume: Stadtteile vor Innenstadt
Zusätzliche Mittel für die Aufwertung öffentlicher Räume sollen vorrangig in die Stadtteilzentren fließen statt in die Innenstadt.
Mit dem Innenstadtkonzept „Mitte neu denken“ von 2022 und einem weiteren Ratsbeschluss vom Januar 2025 arbeitet die Stadt an 138 Planungen, Projekten und Maßnahmen für die Innenstadt — darunter der Umbau von Schillerstraße, Prinzenstraße und Georgstraße.
Zugleich laufen Programme außerhalb der Innenstadt. Für den Stadtteilpark Mühlenberg etwa hat der Verwaltungsausschuss im März 2025 einstimmig eine Umgestaltung mit Gesamtkosten von 1.060.900 Euro beschlossen, davon 707.267 Euro aus Fördermitteln und 353.633 Euro aus dem städtischen Haushalt.
Umstritten ist, ob das der richtige Schwerpunkt ist oder ob Zentren wie in Misburg, Stöcken oder der Südstadt vorgehen müssten.
Quellen (2)
Dafür spricht: Zusätzliche Mittel für öffentliche Räume sollen zuerst in die Stadtteilzentren fließen.
Dagegen spricht: Zusätzliche Mittel für öffentliche Räume sollen zuerst in die Innenstadt fließen.
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Bildung & Schule
Gegliedertes Schulsystem erhalten
Das gegliederte Schulsystem mit Gymnasium, Real- und Hauptschule soll erhalten bleiben.
Die Stadt entscheidet als Schulträgerin über Standorte, Schulformen und Neugründungen — etwa über zusätzliche Gesamtschulen.
In Hannover bekommt jedes Kind einen Platz in der gewünschten Schulform. Die einzige Ausnahme ist die Integrierte Gesamtschule, die als Angebotsschule geführt wird und keine Platzgarantie kennt.
Quellen (2)
Dafür spricht: Hannover soll als Schulträgerin Gymnasium, Real- und Hauptschule als eigene Schulformen erhalten.
Dagegen spricht: Hannover soll als Schulträgerin zusätzliche Gesamtschulen einrichten und das gegliederte System schrittweise ablösen.
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Mehr Kita- und Krippenplätze
Hannover soll zusätzliche Kita- und Krippenplätze schaffen.
Auf einen Betreuungsplatz besteht ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch. Jeder zusätzliche Platz bindet dauerhaft Personal- und Betriebskosten, und andere freiwillige Leistungen konkurrieren um dieselben Mittel. Neue Gruppen lassen sich zudem nur öffnen, wenn ausreichend pädagogische Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Ein Teil der laufenden Bauvorhaben sichert bestehende Plätze, statt neue zu schaffen: An der Kita Levester Straße in Oberricklingen begannen im Juni 2026 die Arbeiten an einem Anbau für rund 2,6 Millionen Euro, der nach Darstellung der Stadt ein Provisorium dauerhaft ersetzt und 24 Kindergartenplätze langfristig sichert.
Quellen (2)
Dafür spricht: Hannover soll weitere Kita- und Krippenplätze bauen und in Betrieb nehmen.
Dagegen spricht: Hannover soll keine zusätzlichen Plätze bauen, sondern die vorhandenen zuerst dauerhaft mit Personal besetzen.
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Migration & Integration
Dezentrale Unterbringung
Geflüchtete, die der Stadt zugewiesen werden, soll Hannover vorrangig dezentral in Wohnungen unterbringen statt in Gemeinschaftsunterkünften.
Wie viele Geflüchtete eine Kommune aufnimmt, entscheidet sie nicht selbst — wie sie sie unterbringt, schon.
Hannover verfolgt seit 2025 eine Unterbringungsstrategie mit dem Ziel, Gemeinschaftsunterkünfte zu reduzieren und die Zahl der Wohnplätze zu erhöhen. Die Stadt begründet das mit besseren Bedingungen und eingesparten Kosten. Nach der Strategie verfügt sie über rund 8.395 Plätze für geflüchtete und wohnungslose Menschen: in 49 Gemeinschaftsunterkünften mit rund 4.259 Plätzen, 11 Notunterkünften, 17 Wohnprojekten und 446 Wohnungen mit rund 1.000 Plätzen, dazu Notkapazitäten und Notschlafstellen. Die Unterbringung in Wohnungen soll dabei zum Regelfall werden; als Zielgröße nennt die Strategie 5.000 Plätze. Zugleich sollen Gemeinschaftsunterkünfte für rund 2.000 Personen erhalten bleiben, die intensivere Unterstützung brauchen. Die Strategie gilt für beide Gruppen gemeinsam; wie viele der Wohnungen ausschließlich Geflüchteten zugeordnet sind, weist sie nicht aus.
Dagegen steht, dass dezentrale Unterbringung Wohnungen in einem angespannten Markt bindet und Betreuung über viele Standorte verteilt. Gemeinschaftsunterkünfte bündeln sie an einem Ort, dafür wird über deren Standorte regelmäßig gestritten.
Quellen (3)
Dafür spricht: Hannover soll zugewiesene Geflüchtete vorrangig in Wohnungen unterbringen.
Dagegen spricht: Hannover soll zugewiesene Geflüchtete vorrangig in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen.
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Einordnung
Wahl-O-Mat, „Hann-o-Mat“ — und was dieser Check ist
Für die niedersächsischen Kommunalwahlen 2026 ist kein Wahl-O-Mat angekündigt. Die gemeinnützige Voto, die 2021 in mehr als 400 niedersächsischen Kommunen eine vergleichbare Wahlhilfe anbot, plant nach eigener Auskunft „aktuell“ kein flächendeckendes Angebot; bislang hätten sich nur einzelne Kommunen gemeldet. Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung beruht auf Antworten der zugelassenen Parteien auf seine Thesen und berechnet die persönliche Übereinstimmung.
Ein städtisches Angebot war beantragt und wurde abgelehnt. Ratsherr Jens Böning (Einzelvertreter DIE HANNOVERANER) beantragte am 26. Februar 2026, die Verwaltung solle sich für einen „Hann-o-mat“ zur Kommunalwahl einsetzen — nach dem Vorbild des „München-o-mat“ und des Wahlnavigators Nürnberg, mit der Stadt als Kostenträgerin für Entwicklung und Durchführung (Drucksache 0353/2026). Der Rat überwies den Antrag in die Ausschüsse. Am 25. März 2026 lehnte ihn der Ausschuss für Personal, Organisation und Digitalisierung mit 0 Ja- zu 9 Nein-Stimmen ab, am 9. April 2026 der Verwaltungsausschuss einstimmig. Gründe nennt die Drucksache nicht, und wir bewerten die Entscheidung nicht. Zur Offenlegung gehört: Der Antragsteller sitzt für DIE HANNOVERANER im Rat — dieselbe Gruppierung, deren Kandidat in diesem Check antritt. Einen laufenden „Hann-o-Mat“ hat es nie gegeben; beantragt und abgelehnt ist der gesamte Vorgang. Zuvor hatte der Stadtjugendring Hannover zur Kommunalwahl 2021 den „HannoWahlCheck“ betrieben; die Adresse hannowahlcheck.de leitet heute auf die Seite des Stadtjugendrings weiter.
Der Aufbau orientiert sich am Wahl-O-Mat. Wie dort bewerten Sie Thesen mit „Zustimmung“, „Neutral“ oder „Ablehnung“, können einzelne überspringen und wichtige Thesen doppelt zählen lassen. Beim Wahl-O-Mat beantworten die Parteien die Thesen selbst. Hier bilden persönliche Belege und vorläufig gekennzeichnete Parteiprogrammpositionen die Grundlage, solange keine Selbstauskunft vorliegt. Wo die Grundlage zu dünn ist, zeigen wir keine Rangfolge.
Dieser Check ist ein nichtamtliches, kostenloses und redaktionell unabhängiges Angebot der Einfach Digital GmbH. Er ersetzt kein amtliches Angebot und gibt keine Wahlempfehlung. Wer ihn betreibt, wie die Thesen ausgewählt werden und wie gerechnet wird, steht offen auf dieser Seite. Belegte Korrekturen von Kandidaturen und Parteien übernehmen wir zügig.
Drucksache 0353/2026 samt Beratungsverlauf · KOMMUNAL, Kommunalwahlen 2026 in Niedersachsen · bpb, Wie funktioniert der Wahl-O-Mat · HannoWahlCheck des Stadtjugendrings, 2021
Methodik & Transparenz
Wie dieser Check funktioniert — offen erklärt
Ausführlich — acht Prüfkriterien im Einzelnen, Belegregeln, Selbstbindungen, Thesenreihenfolge und das Regelwerk im Wortlaut — steht in der gemeinsamen Methodik aller Wahl-Checks. Sie gilt für alle unsere Checks gleich; hier steht, was für Hannover gilt.
Warum wir diesen Wahlcheck anbieten
Kommunalpolitik entscheidet über vieles, was unseren Alltag unmittelbar prägt. Trotzdem fehlt oft eine einfache Möglichkeit, die Positionen vor Ort nachvollziehbar zu vergleichen. Wir können digitale Werkzeuge entwickeln und möchten diese Fähigkeit hier sinnvoll einsetzen: für einen leichteren Zugang zu kommunalpolitischen Entscheidungen und mehr Transparenz. Dass ein regionales Unternehmen mit diesem Projekt auch zeigt, was es kann, gehört ehrlicherweise dazu — Werbung, eine Bezahlschranke oder Wahlempfehlungen finden Sie hier trotzdem nicht.
Gerade im Wahlkampf treffen viele Aussagen, Versprechen und Bewertungen aufeinander. Der Wahlcheck soll helfen, belegte Positionen zu finden, Unterschiede zu erkennen und eigene Fragen zu entwickeln. Er soll niemandem die Wahlentscheidung abnehmen.
Der Wahlcheck ist ein kostenloses und redaktionell unabhängiges Angebot der Einfach Digital GmbH. Er wurde weder von einer Stadt, Partei oder Kandidatur beauftragt noch von ihnen finanziert. Sie haben keinen Einfluss auf unsere Auswahl der Thesen, unsere Einordnung der recherchierten Quellen oder die Rechenregeln.
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Worauf dieser Check beruht
Hinter den Angaben zu Hannover stehen 94 einzeln nachlesbare Quelladressen aus 23 unabhängigen Veröffentlichungen. Daraus sind 135 Einträge dokumentiert: 27 persönliche Positionen, 37 vorläufige Parteipositionen, 0 politische Tendenzen und 71 Quellenhinweise. Jede Position verlinkt ihre eigene Quelle.
Gerechnet werden davon nur die persönlichen und die vorläufigen Parteipositionen. Tendenzen und Quellenhinweise sind sichtbar, damit nachvollziehbar bleibt, was gefunden, aber bewusst nicht gewertet wurde.
Wie diese Einordnung zustande kommt, welche Prüfungen eine These bestehen muss und was maschinell erzwungen wird, steht ausführlich in der gemeinsamen Methodik aller Wahl-Checks.
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Die Rechenregel
Für jede beantwortete These vergleichen wir Ihre Antwort mit der verwendeten Position einer Kandidatur. Stimmen beide überein, gibt es zwei Punkte. Bei teilweiser Übereinstimmung gibt es einen Punkt. Bei gegensätzlichen Positionen gibt es keinen Punkt. Die Übereinstimmung ist die erreichte Punktzahl geteilt durch die mögliche Punktzahl.
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Bis eine Kandidatur selbst antwortet, kann eine eindeutige Position ihrer nominierenden oder unterstützenden Partei vorläufig einfließen. Der transparente Teil des Ergebnisbalkens zeigt, welcher Anteil auf solchen Parteipositionen beruht. Persönliche Positionen haben Vorrang.
Eine klare politische Tendenz kann vorliegen, wenn eine Quelle das politische Ziel eindeutig trägt, aber einen entscheidenden Bestandteil der exakten These offenlässt. Sie wird mit Begründung und Quelle angezeigt, fließt jedoch nie in Prozentwert, Rangfolge oder Ergebnisbalken ein.
Was „Teils / teils“ heißt — und was nicht
Eine Mittelposition („teils / teils“) ist eine inhaltliche Haltung: ausdrückliche Gleichrangigkeit, bedingte Zustimmung, eine Enthaltung oder Zustimmung zum Ziel bei Ablehnung des Mittels. Sie zählt deshalb mit. Trägt eine Quelle eine klare politische Richtung, beantwortet aber einen entscheidenden Bestandteil der exakten These nicht, kann sie als „politische Tendenz“ erscheinen — sichtbar, aber nie gerechnet. Ist eine Quelle nicht als Tendenz eingeordnet, steht sie als „Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig“ da. Eine Mittelposition bringt gegen eine klare Antwort einen von zwei Punkten. Eine unvollständige oder unklare Quelle darf daraus keinen halben Treffer machen.
Welche Quellen wir ausgewertet haben
Für diese Ausgabe haben wir vor allem öffentliche Aussagen, Programme, Lokalberichterstattung, städtische Veröffentlichungen und eindeutig zurechenbares Handeln im Amt ausgewertet.
Ratsunterlagen dokumentieren Entscheidungen von Rat, Ausschüssen und Fraktionen. Sie belegen deshalb nicht automatisch die persönliche Haltung einer Kandidatur. Eine personengenaue Auswertung der Ratsinformationssysteme aller vier Städte ist zudem Handarbeit. Für diese Ausgabe haben wir sie nicht systematisch geleistet.
Das begrenzt die Aussagekraft: Der Katalog bildet vor allem ab, worüber im Wahlkampf öffentlich gesprochen wird. Streitfragen, zu denen alle schweigen, fehlen eher. Diese Grenze legen wir offen, damit das Ergebnis richtig eingeordnet werden kann.
Warum manche Kandidaturen keinen Rangplatz bekommen
Ein Prozentwert ist nur so gut wie seine Grundlage. Wäre zu einer Kandidatur nur eine einzige Position belegt und Sie stimmten ihr zu, ergäbe die Rechnung 100 Prozent — das wäre keine Übereinstimmung, sondern schlicht Unwissen, und es würde ausgerechnet die am schlechtesten dokumentierten Kandidaturen nach oben spülen. Deshalb erscheint im Ranking nur, wer zu mindestens einem Drittel derjenigen Thesen eine belegte Position hat, zu denen überhaupt jemand belegt Position bezieht (mindestens drei). Alle übrigen werden separat und ohne Rangfolge ausgewiesen — mit dem Hinweis, wie dünn die Basis ist. Das ist kein Urteil über die Kandidatur, sondern über die verfügbare Vergleichsgrundlage. Ein vollständig beantworteter Fragebogen verbreitert diese Grundlage; Teilantworten und „keine Angabe“ bleiben ungewertet. Weil die Werte auf unterschiedlich vielen Positionen beruhen, weisen wir die Spannweite im Ergebnis aus, statt sie in einer glatten Rangliste zu verstecken.
Wie die Thesen ausgewählt wurden
Welche Thesen gestellt werden, beeinflusst das Ergebnis. Deshalb legen wir Auswahl, Formulierung und Prüfung offen, statt politische Wertfreiheit zu behaupten. Aufgenommen wird nur, was alle acht Prüfungen besteht: Rat oder Verwaltungsspitze können die Entscheidung rechtlich oder praktisch beeinflussen, und es geht um eine reale Entscheidung dieser Stadt statt um eine allgemeine Zielvorstellung; die Entscheidung steht in der kommenden Wahlperiode praktisch an und ist weder abschließend erledigt noch bis zur Wahl absehbar gegenstandslos; die These enthält genau eine unabhängig beantwortbare Entscheidung; Zustimmung und Ablehnung bedeuten etwas Konkretes; keine Antwortseite wird sprachlich bevorzugt und die These ist ohne Auslegung verstehbar — also ohne Wertwörter („modern“, „oberste Priorität“), ohne mitgelieferte Begründung und ohne Namen von Kandidaturen, Parteien oder Fraktionen; ein echter Ziel- oder Ressourcenkonflikt ist benannt, dessen Gegenpol eine reale Kandidatur hier öffentlich vertreten könnte; Zahlen und Beschlüsse im Hintergrundtext sind mit Quelle belegt; und die Konfliktachse ist nicht schon durch eine andere These abgedeckt.
Nicht jede These entstand aus einer bereits lauten örtlichen Debatte. Die Unterbringung Geflüchteter wurde in allen vier Städten aufgenommen, weil sie eine laufende kommunale Aufgabe ist, die Wohnraum und Haushaltsmittel bindet. In Hannover kamen außerdem die Betreuungsplätze und die persönliche Erreichbarkeit der Verwaltung hinzu. Diese Ergänzungen waren redaktionelle Entscheidungen.
Sie standen vor dem Versand des Fragebogens fest und gelten für alle Kandidaturen gleich. Auch hier wird nur gerechnet, wenn eine Position belegt ist.
Dazu kommt eine Selbstbindung gegen den eigenen blinden Fleck — allerdings nur dort, wo wir ein Eigeninteresse haben: Auf „Digitales & Verwaltung“ liegt ein fester Deckel, alle anderen Themen haben keine Obergrenze. Eine allgemeine Grenze für jeden Themenblock hatten wir zunächst, haben sie aber verworfen: Bei acht bis neun Themen und rund zwanzig Thesen erzwingt sie Gleichverteilung, und reale Wahlkämpfe sind nicht gleichverteilt — es gibt fast immer eine beherrschende Streitfrage, und die abzuschneiden wäre selbst eine Verzerrung. Stattdessen begründen wir hier, wenn ein Themenblock über 20 Prozent liegt. Digitales & Verwaltung ist unser eigenes Fachgebiet. Deshalb begrenzen wir diesen Bereich auf höchstens vier Thesen und 18 Prozent. Aktuell sind es 2 von 24 Thesen. Für andere Themen gibt es keine feste Obergrenze. Ab 20 Prozent erklären wir den Schwerpunkt an dieser Stelle.
Wenn Ihnen eine wichtige Streitfrage fehlt: Schreiben Sie uns. Die Kandidaturen fragen wir im Fragebogen ausdrücklich danach, und was sie nennen, veröffentlichen wir wörtlich — auch dann, wenn es für diese Wahl keine berechnete These mehr wird. Nicht veröffentlichen können wir personenbezogene Angaben Dritter, rechtswidrige oder beleidigende Inhalte und offenkundig Themenfremdes; in diesen Fällen sagen wir es der Kandidatur und schreiben dazu, dass gekürzt wurde.
Welche dieser Prüfungen ein Test erzwingt und welche ein Mensch entscheidet, steht einzeln in der Methodik — zusammen mit dem Regelwerk im Wortlaut.
Redaktionsschluss und spätere Entwicklungen
Der berechnete Thesenkatalog (Fragebogen 1.0) wurde am abgeschlossen und vor dem Versand an die Kandidaturen eingefroren. Danach wird er weder wegen politischer Ereignisse noch wegen eingegangener Antworten verändert — sonst würde die Messlatte verschoben, während die Messwerte schon feststehen. Alle Kandidaturen erhalten dieselben Fragen, dieselbe Frist und dieselbe Korrekturmöglichkeit. Spätere Entwicklungen dokumentieren wir gegebenenfalls in einem eigenen, nicht berechneten Abschnitt.
Antworten, die bis zum 6. September 2026 eingehen, pflegen wir in jedem Fall vor der Wahl ein — auch Teilantworten. Später eingehende nehmen wir weiterhin auf, können die Aufnahme bis zum 13. September 2026 aber nicht mehr zusichern; bis zur Stichwahl am 27. September 2026 pflegen wir weiter ein. Sachliche Korrekturen nehmen wir jederzeit auf, auch nach der Veröffentlichung.
Eine Ausnahme gibt es, und sie ist eng: Stellt sich heraus, dass eine These die veröffentlichten Kriterien verletzt — nicht kommunal entscheidbar, Prämisse falsch, Sache längst entschieden, in Wahrheit zwei Entscheidungen —, dann ist nicht das Streichen der Regelbruch, sondern das Stehenlassen. Eine solche Korrektur hängt immer an einem benannten Kriterium und steht mit Datum unten im Protokoll. Fehlt dagegen ein Thema, ist der Weg die nicht gerechnete Zusatzfrage — keine nachträglich ergänzte These, weil die ausgerechnet die früh Antwortenden treffen würde.
Änderungen seit Redaktionsschluss
Keine. Am Wortlaut der Thesen wurde seit dem Redaktionsschluss nichts geändert.
Quellen & Korrekturen
Jede Position ist mit Quelle belegt (Stand: 10. August 2026). Dasselbe gilt für die Hintergrundtexte: Wo unter „Worum geht es?“ eine Zahl oder ein Beschluss genannt wird, steht die Quelle direkt darunter. Alle Kandidaturen sollen unseren identischen Thesen-Fragebogen erhalten. Eigene Antworten ersetzen die persönliche Rechengrundlage und werden gekennzeichnet. Der getrennt ausgewiesene Parteikontext bleibt zur Einordnung erhalten. Kandidaturen und Parteien können Korrekturen jederzeit an wahlcheck@einfach-digital.de senden — belegte Korrekturen übernehmen wir zügig.
Wer dahintersteckt — und warum
Die Einfach Digital GmbH betreibt den Wahlcheck ohne Auftrag, Zahlung oder sonstige Gegenleistung einer Stadt, Partei oder Kandidatur. Keine dieser Stellen kontrolliert die Redaktion. Das ist mit „redaktionell unabhängig“ gemeint.
Der Wahlcheck ist kein amtliches Angebot und ersetzt keines. Er wird nicht von einer Stadt, der Region Hannover, einer Partei oder der Bundeszentrale für politische Bildung betrieben. Er gibt keine Wahlempfehlung.
Auswahl, Formulierung und Quellenzuordnung sind redaktionelle Entscheidungen. Wir legen sie offen, prüfen sie nach einheitlichen Regeln und wenden diese Regeln auf alle Kandidaturen gleich an.
Häufige Fragen
Ist dieser Kandidaten-Check ein offizielles Wahlangebot?
Nein. Dieser Kandidaten-Check ist ein redaktionell unabhängiges Angebot der Einfach Digital GmbH. Er wird nicht von einer Stadt, der Region Hannover, einer Partei oder der Bundeszentrale für politische Bildung betrieben. Er ersetzt kein amtliches Angebot und gibt keine Wahlempfehlung.
Woher stammen die Positionen der Kandidatinnen und Kandidaten?
Aus überprüfbaren Quellen: persönliche Aussagen, eigene Programme, eindeutig zurechenbares Handeln im Amt und aktuelle örtliche Parteiprogramme. Parteipositionen werden vorläufig und getrennt gekennzeichnet, solange eine persönliche Bestätigung fehlt. Alle Kandidaturen sollen außerdem denselben Fragebogen erhalten. Eine klare politische Tendenz kann angezeigt werden, wenn die Richtung belegt ist, aber ein entscheidender Teil der exakten These offenbleibt; sie wird nie berechnet.
Wer hat die Thesen ausgewählt — und beeinflusst das nicht das Ergebnis?
Die Auswahl trifft die Redaktion der Einfach Digital GmbH, und ja: Jede Auswahl beeinflusst das Ergebnis. Das ist bei jeder Wahlhilfe so und lässt sich nicht wegdiskutieren, nur offenlegen. Deshalb steht auf dieser Seite, nach welchen acht Kriterien geprüft wurde, welche Themenobergrenze gilt und wann der Katalog geschlossen wurde. Wer eine wichtige Streitfrage vermisst, kann sie uns melden — sie kommt dann in die nächste Fassung, nicht mehr in die laufende.
Was ist der Unterschied zwischen „Teils / teils“ und einer nicht eindeutigen Quelle?
„Teils / teils“ ist eine belegte inhaltliche Mittelposition und fließt in die Berechnung ein. Eine „politische Tendenz“ weist eine klare Richtung aus, obwohl ein entscheidender Bestandteil der exakten These offenbleibt; sie wird angezeigt, aber nie berechnet. Ein als „nicht eindeutig“ gekennzeichneter Beleg heißt: Die gefundene Quelle behandelt das Thema, beantwortet aber die konkrete Entscheidung der These nicht vollständig und ist auch nicht als Tendenz eingeordnet. Am einzelnen Beleg steht dabei, um welche Art von Quelle es geht — Programm, öffentliche Aussage oder Amtshandlung. „Keine belegte Position“ heißt: Wir haben keine überprüfbare Aussage gefunden.
Werden die Thesen noch geändert, wenn im Wahlkampf etwas passiert?
Nein. Der berechnete Thesenkatalog wurde vor dem Versand an die Kandidaturen abgeschlossen und wird danach weder wegen politischer Ereignisse noch wegen eingegangener Antworten verändert. Spätere Entwicklungen halten wir gegebenenfalls in einem eigenen, nicht berechneten Abschnitt fest. Nur sachliche Fehler werden korrigiert — und jede Korrektur steht mit Datum im Änderungsprotokoll auf dieser Seite.
Was passiert mit meinen Antworten?
Ihre Antworten und Ihr Ergebnis werden ausschließlich in Ihrem Browser verarbeitet und nicht an uns übertragen. Es gibt kein Konto und keine Anmeldung. Die datensparsame Reichweitenmessung auf dem Server verwendet weder Ihre Antworten noch eine dauerhafte Nutzerkennung.
Ist das Ergebnis eine Wahlempfehlung?
Nein. Das Ergebnis zeigt rechnerische Übereinstimmung mit belegten Positionen zu den gestellten Thesen — nicht mehr. Wen Sie wählen, entscheiden Sie.
Für Kandidaturen: Sie treten zur Oberbürgermeisterwahl an und möchten die Thesen selbst beantworten oder eine Position korrigieren? Schreiben Sie an wahlcheck@einfach-digital.de. Alle Kandidaturen sollen denselben Fragebogen und dieselben Konditionen erhalten.