Verkehr & Innenstadt
Weitgehend autofreie Innenstadt
Hannovers Innenstadt innerhalb des Cityrings soll weitgehend autofrei werden.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
„Weitgehend autofrei“ meint kein Fahrverbot. Lieferverkehr, Taxen, Rettungsfahrzeuge, die Zufahrt zu privaten Stellplätzen und zu den Parkhäusern sowie die Erreichbarkeit für Menschen mit Behinderung sollen möglich bleiben — das Konzept von 2023 wollte die Zahl der Behindertenstellplätze sogar erhöhen. Zur Entscheidung steht, ob Durchgangs- und Parksuchverkehr aus dem Kern der Innenstadt herausgehalten und ein großer Teil der oberirdischen Stellplätze anders genutzt werden soll.
Die Verwaltung hatte 2023 ein Mobilitätskonzept vorgelegt, das den Kern zwischen Friedrichswall, Schiffgraben, Hauptbahnhof, Kurt-Schumacher-Straße und Steintor umfasst: Der Cityring sollte zur Grenze für nicht-ortsgebundenen Autoverkehr werden, Fahrzeuge mit Ziel in der Innenstadt würden über Stichstraßen direkt in die Parkhäuser geleitet, Durchgangsverkehr bliebe außen. Dazu sollten die Stellplätze im öffentlichen Straßenraum weitgehend wegfallen und die Flächen unter anderem für Fuß- und Radverkehr, Begrünung und Aufenthalt genutzt werden. Der Rat ist dem nicht gefolgt. Am 30. Januar 2025 hat er auf gemeinsamen Antrag von SPD, CDU und FDP ein Maßnahmenpaket beschlossen, das die Umbauvorschläge der Verwaltung ausdrücklich ersetzt.
Der beschlossene Kurs ist ein Kompromiss. Die rund 4.000 oberirdischen Stellplätze bleiben außerhalb der neuen Fußgängerzonen erhalten, und die Leistungsfähigkeit des Cityrings soll durch Beibehaltung seines gegenwärtigen Ausbauzustands gesichert werden. Zugleich wurden weitere Fußgängerzonen beschlossen, darunter die Georgstraße am Opernplatz sowie ein Abschnitt von Oster- und Karmarschstraße. Abgestimmt wurde in zwei Teilen: zehn namentlich benannte Maßnahmen mit 37 zu 24 Stimmen, alle übrigen mit 39 zu 22 Stimmen.
Wie weit ein einzelner Abschnitt gehen kann, zeigt die Planung für die Georgstraße am Opernplatz: Nach der Beschlussdrucksache 1387/2026 sollen dort künftig ausschließlich Busse, die Zufahrt zu den Grundstücken, Liefer- und Ladeverkehr zu bestimmten Zeiten, die Müll- und Wertstoffabfuhr, die Zufahrt zu den Behindertenstellplätzen und der Radverkehr zugelassen sein; Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge haben jederzeit freie Fahrt. Die übrigen Stellplätze entfallen bis auf die Behindertenstellplätze vor der Oper. Veranschlagt ist die Umgestaltung mit 3,2 Millionen Euro. Entschieden war sie am 25. August 2026 nicht: Beraten wird am 31. August im Stadtbezirksrat Mitte und am 2. September im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss.
Die Frage ist damit, ob die nächste Ratsperiode über diesen Kompromiss hinausgehen soll.
Quellen (3)
Zustimmung bedeutet
Hannover soll über den beschlossenen Kompromiss hinausgehen: Autoverkehr ohne Ziel in der Innenstadt am Cityring abfangen und einen großen Teil der oberirdischen Stellplätze anders nutzen.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll es beim beschlossenen Kompromiss belassen: Cityring im heutigen Ausbauzustand, die rund 4.000 oberirdischen Stellplätze außerhalb der Fußgängerzonen erhalten.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 5 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
DafürPersönliche Position: Dafür
Unter seiner Führung hat die Stadt ein Mobilitätskonzept vorgelegt, nach dem die Innenstadt bis 2030 nahezu autofrei werden soll — mit dem Cityring als Grenze und Zufahrt direkt in Parkhäuser. Im Wahlkampf verteidigt er den Kurs ausdrücklich: Die Mobilitätswende sei auf einem guten Weg, umweltfreundliche Verkehrsmittel sollten mehr Raum bekommen.
„Alle Parteien außer den Grünen denken, dass Sie die City mit Autos beleben können, und das ist falsch."
Zurechnung: Onay hat die autofreie Innenstadt als Oberbürgermeister öffentlich vertreten, die städtische Umsetzung politisch verantwortet und den Kurs im Wahlkampfinterview persönlich bekräftigt.
Öffentliche Aussage · HAZ, Interview Belit Onay, 25.04.2026 · Stadt Hannover, Mobilitätskonzept Innenstadt · t-online, Pläne für die autofreie Innenstadt
Axel von der Ohe (SPD)
Parteiprogramm: Dagegen – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dagegen– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm lehnt eine autofreie Innenstadt ausdrücklich ab und will den Cityring leistungsfähig halten.
Das SPD-Zukunftsprogramm lehnt eine autofreie Innenstadt ausdrücklich ab. Es will einzelne Bereiche autoärmer gestalten, die Leistungsfähigkeit des Cityrings aber erhalten.
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei SPD; eine persönliche Übernahme durch Axel von der Ohe ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, S. 22
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er will eine gut erreichbare Innenstadt und funktionierende Hauptstraßen für alle Verkehrsmittel. Das CDU-Kurzwahlprogramm lehnt den Rückbau des City-Rings und pauschale Einschränkungen auf Hauptverkehrsstraßen ab, nennt die autofreie Innenstadt aber nicht.
„Wer in Hannover unterwegs ist, soll ankommen – egal ob mit Auto, Bahn oder Rad."
Programm/Kampagne · Kampagnenseite, Themen · CDU-Kurzwahlprogramm Hannover 2026, Kapitel III · NWZ, 21.08.2025
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Erreichbarkeit für alle Verkehrsmittel und die Ablehnung einzelner Maßnahmen beantworten nicht eindeutig, ob die Innenstadt weitgehend autofrei werden soll. Der Maßstab ist das SPD-Programm, das die autofreie Innenstadt ausdrücklich ablehnt und deshalb gewertet wird.
Maren Kaminski (Die Linke)
DafürEigene Antwort: Dafür
Sie will weniger Autoverkehr und mehr Sicherheit für zu Fuß Gehende in der Innenstadt.
Originalantwort anzeigen
Das Auto hatte viel zu lange den Vorzug in Hannover. Wir brauchen weniger Blech und mehr Sicherheit für Fußgänger*innen in der Innenstadt.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Jessica Schülke (AfD)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Sie führt den Leerstand in der Innenstadt unter anderem auf die fehlende Erreichbarkeit mit dem Auto zurück und hält diese für nötig, um Ansiedlung und Kaufkraft zu stärken.
Originalantwort anzeigen
Das ehemalige Karstadt - Kaufhaus als auch das Kaufhaus an der Marktkirche sind nur zwei Beispiele für den Leerstand in Hannover. Dies liegt unter anderem an der fehlenden Erreichbarkeit der Gewerbebetriebe im Stadtzentrum mithilfe des Autos. Um Hannovers Innenstadt wieder attraktiv zu machen, die Ansiedlung von Dienstleistern und Unternehmen zu fördern und die Kaufkraft zu steigern muss die Innenstadt auch mit dem Automobil erreichbar sein.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 06.09.2026
Parteiprogramm: Dagegen– persönliche Position hat Vorrang; nicht doppelt gerechnet
Das Programm lehnt autofreie Zonen ausdrücklich ab.
Das AfD-Kommunalwahlprogramm lehnt autofreie Zonen ausdrücklich ab.
Zurechnung: Aktuelles örtliches AfD-Kommunalwahlprogramm; eine persönliche Übernahme durch Jessica Schülke ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · AfD-Kommunalwahlprogramm Hannover 2026, S. 9
Bruno Adam Wolf (Piratenpartei)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er fordert die Gleichberechtigung aller Verkehrsarten mit besonderer Priorität für Fußgänger, Radverkehr und elektrischen Individualverkehr. Zur weitgehend autofreien Innenstadt legt er sich nicht fest.
„Eine Gleichberechtigung aller Verkehrsarten mit besonderer Priorität für Fußgänger, Radverkehr und elektrischen Individualverkehr ist anzustreben."
Programm/Kampagne · Piraten Hannover, Kandidatenvorstellung
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Eine allgemeine Gleichberechtigung der Verkehrsarten ist keine ausdrückliche Mittelposition zur konkreten Entscheidung über eine weitgehend autofreie Innenstadt.
Thorsten Meyer (DIE HANNOVERANER)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Er will es beim beschlossenen Kompromiss belassen: Cityring im heutigen Ausbauzustand, die rund 4.000 oberirdischen Stellplätze außerhalb der Fußgängerzonen erhalten.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Parteiprogramm: Dagegen– persönliche Position hat Vorrang; nicht doppelt gerechnet
Das Programm lehnt eine autoarme oder autofreie Innenstadt ab und will bestehende Parkplätze erhalten.
Das Kommunalwahlprogramm seiner Wählergemeinschaft lehnt eine autofreie oder autoarme Innenstadt derzeit ab und will alle bestehenden Parkplätze erhalten.
Zurechnung: Aktuelles Programm der Wählergemeinschaft DIE HANNOVERANER; die Kandidatenseite belegt keine persönliche Übernahme durch Thorsten Meyer.
Programm/Kampagne · Kommunalwahlprogramm DIE HANNOVERANER 2026
Zu 2 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 6. September 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
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