Haushalt & Finanzen
Sanierung vor Neubau
Bei städtischen Gebäuden soll Hannover Sanierung und Erhalt grundsätzlich Vorrang vor Abriss und Neubau geben.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Für die kommenden zehn Jahre beziffert die Verwaltung den Investitionsbedarf der städtischen Gebäude auf rund 1,2 Milliarden Euro und erwartet für die zehn Jahre danach mindestens dieselbe Summe; investiert werden derzeit 120 bis 130 Millionen Euro im Jahr. Was in ein Gebäude fließt, fehlt deshalb bei einem anderen. Wie das konkret aussieht, hat die Stadt beim Fössebad selbst beschrieben: Der Neubau ist inzwischen mit rund 70 Millionen Euro veranschlagt, und um die Mehrkosten gegenzufinanzieren, „mussten verschiedene Maßnahmen aus dem Bereich der Bäder und der Sportanlagen als Kompensation auf einen Zeitraum nach 2027 verschoben werden“, so ein Stadtsprecher — betroffen waren unter anderem das Lister und das Hainhölzer Bad.
Nach Auskunft der Verwaltung ist die Wirtschaftlichkeit in Bau und Betrieb bislang das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über Erhalt oder Abriss. Ersatzneubauten ließen sich in der Regel mit kleineren Nutzflächen, besseren Raumzuschnitten und energetisch günstigeren Gebäudeformen errichten. Dagegen steht die Klimabilanz: Herstellung, Errichtung, Modernisierung, Nutzung und Betrieb von Gebäuden verursachen in Deutschland rund 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen; zehn Prozent entstehen allein durch Herstellung, Errichtung und Entsorgung — also durch das, was ein Neubau auslöst und eine Sanierung weitgehend vermeidet.
Die städtische Praxis kennt beide Richtungen. Für mehrere Bäder hat sich die Stadt im Mai 2026 um Mittel aus einem Bundesprogramm beworben, das ausdrücklich die Sanierung fördert und Ersatzneubauten nur in Ausnahmefällen. Bei einem Schulgebäude von 1956 hat die Verwaltung dagegen nach einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung Abriss und Neubau vorgeschlagen — eine Sanierung sei „nicht sinnvoll und nicht wirtschaftlich“; die Ausschüsse haben dem einstimmig zugestimmt. Dass Sanieren nicht automatisch günstiger ist, zeigt die städtische Wohnungsgesellschaft: Frühere Anläufe der hanova zur seriellen Sanierung scheiterten laut ihrem Geschäftsführer daran, dass „die Kosten viel zu hoch“ gewesen seien — „sie lagen sogar über denen eines Neubaus“. Ein aktuelles Pilotprojekt in Mittelfeld soll nun etwas preiswerter ausfallen als eine herkömmliche Sanierung.
Quellen (7)
- Beschlussdrucksache 0948/2026, Bewerbung um Bundesmittel zur Bädersanierung, Verwaltungsausschuss 21.05.2026
- Beschlussdrucksache 2627/2025 N1, zentraler Auslagerungsstandort An Mußmanns Haube, Verwaltungsausschuss 05.03.2026
- Beschlussdrucksache 0079/2026, Investitionsbedarf der städtischen Gebäudeinfrastruktur
- Antwort der Verwaltung 0826/2024 F1, Kriterien bei Abbruch oder Sanierung städtischer Gebäude
- HAZ, 70 Millionen Euro teurer Neubau: Ist das viele Geld fürs Fössebad wirklich sinnvoll angelegt?, 12.12.2025
- HAZ, Stadtsprecher zur Verschiebung anderer Bädersanierungen wegen des Fössebads, 14.08.2024
- HAZ, serielle Sanierung bei der hanova — frühere Anläufe teurer als ein Neubau, Pilotprojekt Mittelfeld
Zustimmung bedeutet
Hannover soll vorhandene städtische Gebäude grundsätzlich sanieren und erhalten; Abriss und Neubau sollen die begründete Ausnahme bleiben.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll ohne allgemeinen Vorrang bei jedem Gebäude einzeln nach Wirtschaftlichkeit, Nutzbarkeit und Folgekosten zwischen Sanierung und Neubau entscheiden.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 5 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm formuliert den Vorrang wörtlich und im Investitionszusammenhang und erstreckt ihn ausdrücklich auf Schulen, Kitas und öffentliche Gebäude — das ist die Entscheidung der These.
Das Grünen-Programm unterzieht künftig jede größere Investition einer Klima- und Folgekostenbewertung und gibt dabei Sanierung und Erhalt den Vorrang vor Neubauten; im Wohnkapitel gilt derselbe Vorrang ausdrücklich auch für Schulen, Kitas und öffentliche Gebäude.
„Sanierung und Erhalt haben Vorrang vor Neubauten."
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei Bündnis 90/Die Grünen; eine persönliche Übernahme durch Belit Onay ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · Wahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF)
Axel von der Ohe (SPD)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Der Programmsatz setzt einen Vorrang für Umbau und Sanierung gegenüber Abriss und trifft damit die Entscheidung der These. Die vorangestellte Wirtschaftlichkeitsanalyse steht dem nicht entgegen: Der Pro-Pol lässt Abriss und Neubau ausdrücklich als begründete Ausnahme zu. Der Gegenpol verlangt, ohne allgemeinen Vorrang zu entscheiden — das sagt das Programm gerade nicht.
Das SPD-Zukunftsprogramm will bei städtischen Gebäuden vorrangig umbauen und sanieren statt abzureißen und stellt dem eine Wirtschaftlichkeitsanalyse voran.
„Die Stadt macht eine Wirtschaftlichkeitsanalyse und setzt bei eigenen Gebäuden vorrangig auf Umbau und Sanierung statt Abriss"
Zurechnung: Das Zukunftsprogramm der SPD Hannover für die Kommunalwahl 2026 ist das Programm der Partei, die Axel von der Ohe als Oberbürgermeisterkandidaten aufgestellt hat. Eine persönliche Übernahme genau dieses Satzes ist nicht dokumentiert; die Position zählt deshalb vorläufig und weicht, sobald er sich selbst äußert.
Programm/Kampagne · SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das CDU-Kurzwahlprogramm will Sportanlagen besser erhalten und modernisieren und den städtischen Bädern eine langfristige Entwicklungsperspektive geben; zugleich soll das Erika-Fisch-Stadion zu einem leistungsfähigen Leichtathletikstadion weiterentwickelt werden. Welcher der beiden Wege bei knappen Investitionsmitteln vorgeht, sagt es nicht.
„Die städtischen Bäder brauchen eine langfristige Entwicklungsperspektive"
Programm/Kampagne · CDU-Kurzwahlprogramm Hannover 2026, Kapitel X
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Erhalt und Ausbau nebeneinander zu fordern belegt keine Rangfolge zwischen Bestandssanierung und Neubau.
Maren Kaminski (Die Linke)
DafürEigene Antwort: Dafür
Sie will stets die nachhaltigste Lösung vorziehen und sieht diese in der Regel in der Sanierung.
Originalantwort anzeigen
Es muss stets die nachhaltigste Lösung priorisiert werden – und dies ist in der Regel Sanierung statt Abriss.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Aus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das Kommunalwahlprogramm fordert ein Zehn-Jahres-Sonderprogramm zur Sanierung aller Schulgebäude und zugleich, Spielplätze und Schwimmbäder bedarfsgerecht neu zu bauen. Den Zielkonflikt löst es über höhere Einnahmen auf, nicht über einen Vorrang.
„Spielplätze und Schwimmbäder müssen in kommunaler Hand bleiben, bedarfsgerecht neu gebaut und konsequent barrierefrei gestaltet werden."
Programm/Kampagne · Kommunalwahlprogramm Die Linke Region Hannover 2026, Zeilen 218–219 und 455–456 der PDF-Fassung
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Das Programm verlangt Sanierung und Neubau nebeneinander; eine Rangfolge bei knappen Investitionsmitteln formuliert es nicht.
Jessica Schülke (AfD)
DafürEigene Antwort: Dafür
Sie will städtisches Eigentum privatisieren, das aus ihrer Sicht unwirtschaftlichen Zwecken dient, und den demografischen Wandel in die Wohnungsbauplanung einbeziehen; neu gebaut werden solle erst nach gründlicher Prüfung der künftigen Bedingungen.
Originalantwort anzeigen
Die Stadt Hannover muss auf Grund der unkontrollierten Einwanderungspolitik derzeit mehr Menschen unterbringen als Wohnraum da ist. Nach einer rechtlich gebotenen Remigration wird sich die Einwohnerzahl regulieren. Ferner wollen wir städtisches Eigentum, dass bislang unwirtschaftlichen Zwecken zugeführt wird privatisieren. Auch muss der demografische Wandel als weiterer Faktor mit in die Wohnungsbauplanung einbezogen werden. Erst nach gründlicher Prüfung der zukünftigen Bedingungen kann sinnvoll neu gebaut werden.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 06.09.2026
Thorsten Meyer (DIE HANNOVERANER)
DafürEigene Antwort: Dafür
Er will vorhandene städtische Gebäude grundsätzlich sanieren und erhalten; Abriss und Neubau sollen die begründete Ausnahme bleiben.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Aus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das Programm will bei städtischen Gebäuden einen Sanierungsstau vermeiden, weil er am Ende teurer werde als regelmäßige Wartung. Ob Investitionsmittel zuerst in den Bestand fließen sollen, bevor neu gebaut wird, sagt es nicht.
„Sanieren und gestalten statt Sanierungsstau verwalten"
Programm/Kampagne · Kommunalwahlprogramm DIE HANNOVERANER 2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Regelmäßige Wartung dem Verfall vorzuziehen ist keine Rangfolge gegenüber dem Neubau von Bädern, Schulen oder Sportstätten.
Zu 3 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 6. September 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
Alle Thesen dieses Checks
Diese Seite zeigt eine von 20 Thesen. Der vollständige Check rechnet Ihre eigenen Antworten gegen alle Positionen — ausschließlich in Ihrem Browser.
Wie eine Quelle zur gewerteten Position wird, welche Prüfungen eine These bestehen muss und wie gerechnet wird, steht in der Methodik aller Wahl-Checks.
Keine Wahlempfehlung. Die Auswertung läuft vollständig in Ihrem Browser — Ihre Antworten verlassen Ihr Gerät nicht. Korrekturhinweise an wahlcheck@einfach-digital.de
Bei Recherche, Aufbereitung und Programmierung setzen wir KI-Werkzeuge ein. Jede These, jede verwendete Position und jede Begründung wird vor der Veröffentlichung von einem Menschen anhand der Originalquelle geprüft. Redaktionell verantwortlich ist Peter Neubert, Einfach Digital GmbH — er ist kein Mitglied einer politischen Partei.