Wirtschaft & Standort
Leerstehende Läden selbst anmieten
Hannover soll leerstehende Ladenflächen in der Innenstadt selbst anmieten und für befristete Zwischennutzungen weitervermieten.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Hannover hat mit dem „aufhof“ eine leerstehende Kaufhausimmobilie befristet zwischengenutzt. Das Projekt ist abgeschlossen und wird daraufhin geprüft, ob es sich dauerhaft etablieren ließe. Wie viele Ladenflächen in der Innenstadt leerstehen, weiß die Stadt nicht genau: Auf eine Anfrage der CDU-Fraktion antwortete die Verwaltung am 30. Oktober 2025, sie verfüge „über keine Leerstandskataster im Stadtgebiet, inkl. der Innenstadt“, und stütze sich auf Immobilienmarktberichte Dritter.
Bereits das Innenstadt-Maßnahmenpaket vom Januar 2025 verlangte eine Leerstandsstrategie, bei der „eine Anmietung von Leerständen durch die Landeshauptstadt und eine anschließende Untervermietung an Geschäftstreibende berücksichtigt wird“. Im April 2026 hat der Rat mit 37 zu 24 Stimmen beschlossen, genau diese Maßnahmen „prioritär, gebündelt und mit Nachdruck umzusetzen“, und zusätzlich ein Instrument verlangt, das Leerstände systematisch erfasst, vermittelt und für Zwischennutzungen öffnet; ein Sachstandsbericht ist innerhalb von sechs Monaten vorzulegen. Eine bestimmte Anmietung oder ein dauerhaftes städtisches Mietprogramm ist damit nicht beschlossen. Wie weit die Ratsmehrheit gehen wollte, sagt dasselbe Maßnahmenpaket an anderer Stelle: Unter der Überschrift „Immobilienankauf als letztes Mittel“ sollen die Stadt oder ihre Töchter, etwa hanova Gewerbe, „in Extremfällen den Ankauf oder die Anmietung von Immobilien“ prüfen, wenn langfristige Leerstände anders nicht zu vermeiden sind — mit dem Ziel, sie mit einem neuen Nutzungskonzept weiterzuvermieten oder zu veräußern.
Als Zwischenmieterin würde die Stadt Vertragspartnerin der Eigentümer: Sie könnte Flächen kurzfristig für Pop-up-Läden, junge Unternehmen, Kultur oder gemeinnützige Angebote verfügbar machen und trüge je nach Vertrag Miete und Nebenkosten auch dann, wenn sich keine Zwischennutzung findet.
Quellen (4)
- Antrag 2376/2025 N1, Leerstandsaktivierung für die Innenstadt, Ratsbeschluss 23.04.2026
- Antwort 1907/2025 F1 auf die Anfrage der CDU-Fraktion, Datenlage zu Leerständen, 30.10.2025
- Stadt Hannover, Innenstadtentwicklung – erste Bilanz, 19.08.2025
- Antrag 1554/2024, Maßnahmen 5 „Immobilienankauf als letztes Mittel“ und 9 „Leerständen entgegenwirken“, Ratsbeschluss 30.01.2025
Zustimmung bedeutet
Hannover soll leerstehende Ladenflächen selbst anmieten und befristet an Zwischennutzer weitervermieten.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll keine Ladenflächen selbst anmieten.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 4 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das Grünen-Programm will ein aktives Leerstandsmanagement, das Flächen vermittelt und Zwischennutzungen ermöglicht. Dass die Stadt Flächen selbst anmietet, sagt es nicht.
„Wir setzen auf ein aktives Leerstandsmanagement, das früh eingreift, Flächen vermittelt und neue Nutzungen ermöglicht"
Programm/Kampagne · Wahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF)
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Vermitteln ist nicht anmieten; das unternehmerische Risiko, um das die These geht, übernimmt die Stadt dabei nicht.
Axel von der Ohe (SPD)
DafürPersönliche Position: Dafür
Er will Leerstand nicht hinnehmen, sondern dass die Stadt Flächen selbst anmietet und kurzfristig weitervergibt, etwa für Pop-up-Nutzungen.
„Leerstand ist kein Schicksal. Wir können und müssen früher handeln."
Programm/Kampagne · Kampagnenseite: Lebendige Stadtteile
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er sieht in leerstehenden Gewerbeflächen Potenzial für Wohnraum. Dass die Stadt Ladenflächen selbst anmieten und weitergeben soll, sagt er nicht.
„Leerstehende Gewerbeflächen bieten Potential, das wir nicht liegen lassen dürfen."
Programm/Kampagne · Kampagnenseite, Themen
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Umnutzung von Gewerbeflächen zu Wohnraum ist etwas anderes als eine Anmietung durch die Stadt auf eigenes Risiko.
Maren Kaminski (Die Linke)
DafürEigene Antwort: Dafür
Sie hält geförderte Flächen für junge Unternehmen, Kultur und gemeinnützige Träger für nötig und sieht die Lebensqualität durch weniger Leerstand gestärkt.
Originalantwort anzeigen
Gerade junge Unternehmen, Kultur und gemeinnützige Träger brauchen geförderte Flächen, um sich zu entfalten. Die Lebensqualität in der Stadt profitiert von weniger Leerstand.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Jessica Schülke (AfD)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Sie will kommunale Haushaltsmittel strikt auf Kernaufgaben der Daseinsvorsorge beschränken und lehnt den Staat als Großmieter ab. Stattdessen fordert sie eine Deregulierung des Baumarktes, den Abbau energetischer Bauvorschriften und Steuersenkungen.
Originalantwort anzeigen
Die AfD kritisiert die hohen Kosten, die Städten wie Hannover durch langfristige Mietverträge, Sanierungen oder Zweckentfremdungen von Immobilien entstehen. Als Oberbürgermeisterin werde ich mich dafür einsetzen kommunale Haushaltsmittel strikt für die Kernaufgaben der Daseinsvorsorge zu verwenden. Hierzu zählen z.B.: Schulen, Straßen und der öffentliche Nahverkehr. Der Staat sollte nicht weiter als Großmieter auftreten, deshalb fordern wir eine Deregulierung des Baumarktes. Privates Bauen soll z.B. durch den Abbau von energetischen Bauvorschriften und Steuersenkungen (wie der Grunderwerbsteuer) günstiger werden um die allgemeine Wohnungsnot zu lindern.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 06.09.2026
Bruno Adam Wolf (Piratenpartei)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er will die Innenstadt beleben, einen Mietendeckel für Gewerbemieten aushandeln und Kleinbetriebe fördern, damit sich kleinere Unternehmen wieder im Zentrum ansiedeln. Eine Anmietung von Ladenflächen durch die Stadt nennt er nicht.
Programm/Kampagne · Piraten Hannover, Kandidatenvorstellung
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Mietendeckel und Förderung sind andere Instrumente als die Anmietung durch die Stadt; die Entscheidung der These trägt die Quelle nicht.
Thorsten Meyer (DIE HANNOVERANER)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Er lehnt es ab, dass Hannover Ladenflächen selbst anmietet.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Aus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das Programm will den Geschäftsleerstand beenden, indem eine Gruppe aus Händlern, Vermietern und Stadtpolitik gezielt Händler und Investoren sucht. Eine Anmietung durch die Stadt nennt es nicht.
„Geschäftsleerstand beenden"
Programm/Kampagne · Kommunalwahlprogramm DIE HANNOVERANER 2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Vermittlung durch eine gemeinsame Arbeitsgruppe ist etwas anderes als eine Anmietung auf städtisches Risiko.
Zu 2 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 6. September 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
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