Wohnen & Bauen
Ihme-Zentrum: Sockel kaufen
Hannover soll den Gewerbesockel des Ihme-Zentrums mit städtischem Geld erwerben.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Der Gewerbesockel der Großimmobilie in Linden verfällt seit Jahren. Die Gesellschaft des Investors Lars Windhorst ist insolvent, und zwei Grundschulden über zusammen 290 Millionen Euro zugunsten des Unternehmers Ulrich Marseille blockieren jede Entwicklung.
Die Stadt will dem Insolvenzverwalter ein Massedarlehen von bis zu einer Million Euro zur Verfügung stellen, mit dem er diese Grundschulden gerichtlich anfechten soll; der Gläubigerausschuss hatte ihn dazu am 12. Juni 2026 beauftragt. Der Rat hat die Bereitstellung nach dem Bericht der Immobilien Zeitung am 25. Juni 2026 beschlossen; ein Sitzungsprotokoll und eine Drucksachennummer sind bislang nicht veröffentlicht. Ein Darlehen zur Prozessfinanzierung ist ohnehin kein Erwerb: Es räumt die Schuldenlast aus dem Weg, entscheidet aber nicht, wem der Gewerbesockel danach gehört.
Zugleich will die Stadt über einen neuen Bebauungsplan Druck auf die Eigentümer machen. Ein Baugebot und Enteignungen schließt der Oberbürgermeister nicht aus. Der Verwaltungsausschuss hat im Januar 2025 einstimmig ein Gutachten zu den städtischen Handlungsoptionen beauftragt, das ausdrücklich auch die Instrumente des besonderen Städtebaurechts prüfen soll.
Ein Erwerb durch die Stadt brächte die Entwicklung in die öffentliche Hand, belastet aber einen Haushalt, der bereits ein Defizit ausweist.
Quellen (5)
- HAZ, Klage, Bürgeranleihe, Sondervermögen – die Optionen, 25.06.2026
- Stadt Hannover, Massedarlehen zur Anfechtung der Grundschulden, 22.06.2026
- Immobilien Zeitung 27/2026, Klage gegen die Grundschulden des Ihme-Zentrums, 02.07.2026
- HAZ, Onay denkt über Enteignung nach, 29.04.2026
- Beschlussdrucksache 2185/2024 N1, Gutachten zu städtischen Handlungsoptionen, Verwaltungsausschuss 09.01.2025
Zustimmung bedeutet
Hannover soll den Gewerbesockel selbst erwerben und seine Entwicklung in die öffentliche Hand nehmen.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll kein städtisches Geld für einen Erwerb einsetzen, sondern die Eigentümer mit Baurecht und Rechtsmitteln zum Handeln zwingen.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 3 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
DagegenPersönliche Position: Dagegen
Er lehnte den Vorschlag eines Kaufs durch die Stadt auf der Podiumsdiskussion am 23. Juni 2026 ab und verfolgt einen anderen Weg: Die Stadt unterstützt die Anfechtungsklage gegen die Grundschuld mit einem Kredit von einer Million Euro, und über einen neuen Bebauungsplan will er die Eigentümer zum Investieren zwingen — ein Baugebot und Enteignungen schließt er dabei nicht aus.
Zurechnung: Onay hat die Kreditvergabe als Oberbürgermeister gemeinsam mit dem Finanzdezernenten öffentlich verkündet und begründet, den neuen Bebauungsplan selbst angekündigt und auf der Podiumsdiskussion persönlich Stellung zum Kaufvorschlag bezogen.
Handeln im Amt · HAZ, Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt, 25.06.2026 · HAZ, Stadt finanziert Klage gegen die Grundschuld, 22.06.2026 · HAZ, Onay denkt über Enteignung nach, 29.04.2026
Axel von der Ohe (SPD)
DagegenPersönliche Position: Dagegen
Er lehnt einen Kauf des Ihme-Zentrums durch die Stadt ab, weil die Stadt damit die eingetragene Grundschuld von 290 Millionen Euro bedienen müsste; stattdessen unterstützt die Stadt die Anfechtungsklage gegen diese Grundschuld mit einem Kredit von einer Million Euro.
„Marseille wird sagen: Stadt, gib mir 290 Millionen Euro. Dann kannst du das Ihme-Zentrum haben."
Öffentliche Aussage · HAZ, Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt, 25.06.2026 · HAZ, Stadt finanziert Klage gegen die Grundschuld, 22.06.2026
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Er hat die Teilnahme an der Podiumsdiskussion zur Zukunft des Ihme-Zentrums abgesagt. Im HAZ-Debattenbus fragte er zurückhaltend, wie viel Geld man in Nutzungskonzepte stecke, bevor die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt seien.
„Wie viel Geld investiert man jetzt in die Entwicklung von Konzepten für die Nutzung, bevor man nicht die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt hat?"
Öffentliche Aussage · HAZ, Debattenbus am Ihme-Zentrum, 18.07.2026 · HAZ, Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt, 25.06.2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Eine Rückfrage nach der Reihenfolge von rechtlicher Klärung und Konzeptarbeit ist keine Festlegung dafür oder dagegen, dass die Stadt den Gewerbesockel selbst erwirbt.
Maren Kaminski (Die Linke)
DafürPersönliche Position: Dafür
Sie plädiert für Verhandlungen mit dem Grundschuldgläubiger mit dem Ziel, dass die Stadt das Ihme-Zentrum kauft, und will den Erwerb über eine Bürgeranleihe und ein städtisches Sondervermögen finanzieren; zusätzlich soll die Immobilie zum Sanierungsgebiet erklärt werden, um Bundesfördermittel einzuwerben.
„Der Sockel des Ihme-Zentrums gehört in die öffentliche Hand."
Öffentliche Aussage · HAZ, Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt, 25.06.2026 · HAZ, Interview Maren Kaminski, 06.05.2026
Zu 5 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 10. August 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
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