Klima & Energie
Klimaneutralität möglichst bis 2035
Hannover soll am Ziel festhalten, möglichst bis 2035 klimaneutral zu werden.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Der Rat hat im Juni 2020 beschlossen, die Ziele des früheren Masterplans um 15 Jahre vorzuziehen und möglichst bis zum Jahr 2035 zu erreichen: 95 Prozent weniger Treibhausgase und 50 Prozent weniger Energieverbrauch als 1990. Das Zieljahr liegt damit zehn Jahre vor dem des Bundes. Das Klimaschutzprogramm hinterlegt zehn zentrale Punkte mit konkreten Maßnahmen.
Wie weit die Stadt ist, weist sie seit Januar 2026 erstmals vollständig nach der bundeseinheitlichen Systematik BISKO aus; dafür wurden auch die Vergleichsjahre 1990 und 2020 neu berechnet, ältere Angaben sind damit nicht ohne Weiteres vergleichbar. Für 2024 nennt die Bilanz 3,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente — 49 Prozent weniger als 1990 — und 5,6 Tonnen pro Kopf. Der Endenergieverbrauch lag bei rund 9.900 Gigawattstunden, 30 Prozent unter 1990.
Im Verkehr liegen Verbrauch und Emissionen weiterhin über dem Stand von 1990. Rund die Hälfte der bilanzierten Verkehrsemissionen entfällt auf die Autobahnabschnitte im Stadtgebiet; ihr Transitverkehr ist nach Darstellung der Stadt „kommunal nur schwer zu beeinflussen“.
Eine Szenarienstudie des Leipziger Instituts für Energie von 2021 rechnet zwei Wege durch, beide nach derselben BISKO-Systematik. Das Szenario „Trend-2035“ schreibt absehbare Entwicklungen fort — darunter ein zur Hälfte erneuerbarer Bundesstrommix und kein Ersatz von Erdgas durch erneuerbare Gase — und kommt auf 60 Prozent weniger Treibhausgase. Das Szenario „Klimaschutz-2035“ setzt einen vollständig erneuerbaren Bundesstrommix und den Ersatz von Erdgas durch erneuerbare Gase voraus und kommt auf 91 Prozent; der Endenergieverbrauch sinkt darin um 37 statt der angestrebten 50 Prozent. Das vorzeitige Erreichen des Ziels nennt die Studie damit „fast möglich“ und hält fest, dass „die Gestaltungsmacht der Kommune allein nicht ausreicht“.
Quellen (5)
- Informationsdrucksache 0038/2026, Energie- und Treibhausgasbilanz Hannover 2024, 13.01.2026
- Leipziger Institut für Energie, „Klimaschutz 2035: Szenarien zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Hannover bis 2035“, 14.12.2021
- Stadt Hannover, Klimaschutzprogramm Hannover 2035
- Bundes-Klimaschutzgesetz, § 3 Absatz 2 (Treibhausgasneutralität bis 2045)
- HAZ, Klimaneutral bis 2035: Auch der Stadt Hannover droht das Scheitern, 02.05.2024
Zustimmung bedeutet
Hannover soll am Zieljahr 2035 festhalten.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll das Zieljahr 2035 aufgeben und Klimaneutralität später anstreben.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 5 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
DafürPersönliche Position: Dafür
In seinem eigenen 8-Punkte-Plan bekennt sich Onay persönlich zum Ziel der Klimaneutralität bis 2035 und knüpft es an soziale und wirtschaftliche Bedingungen.
„Ich will, dass Hannover bis 2035 klimaneutral wird — sozial gerecht, wirtschaftlich stark und spürbar besser im Alltag der Menschen."
Öffentliche Aussage · Belit Onay, 8-Punkte-Plan „Weiter mit Belit Onay“, Juli 2026
Parteiprogramm: Dafür– persönliche Position hat Vorrang; nicht doppelt gerechnet
Das Programm hält ausdrücklich am Ziel der Klimaneutralität bis 2035 fest.
Hannover verfolgt unter seiner Führung das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein; das Wahlprogramm seiner Partei nennt zudem den Kohleausstieg 2027 und eine Vorreiterrolle bei der Wärmewende.
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei Bündnis 90/Die Grünen; eine persönliche Übernahme durch Belit Onay ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · Wahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF) · Wärmewende Hannover, Ziel 2035
Axel von der Ohe (SPD)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm bekennt sich ausdrücklich zur Klimaneutralität Hannovers bis 2035.
Das SPD-Zukunftsprogramm bekennt sich ausdrücklich zum Ziel, Hannover bis 2035 klimaneutral zu machen.
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei SPD; eine persönliche Übernahme durch Axel von der Ohe ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, S. 31
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er verlangt eine umsetzbare Wärmeplanung und wendet sich gegen Klimaschutz, der an der Realität scheitere. Ob Hannover am Zieljahr 2035 festhalten soll, sagt er nicht.
„Klimaschutz, der an der Realität scheitert, nützt niemandem."
Programm/Kampagne · Kampagnenseite, Themen
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Eine Absage an unrealistischen Klimaschutz ist keine Aussage darüber, ob das beschlossene Zieljahr 2035 gehalten oder aufgegeben werden soll.
Maren Kaminski (Die Linke)
DafürEigene Antwort: Dafür
Sie hält ein Abrücken vom Zieljahr für unverantwortlich gegenüber künftigen Generationen.
Originalantwort anzeigen
Alles andere ist künftigen Generationen gegenüber unverantwortlich.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Aus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das Regionsprogramm der Linken will die beschlossene Klimaneutralität der Region bis 2035 weiterverfolgen; für die Stadt Hannover fordert es Klimaneutralität ohne Jahreszahl.
Programm/Kampagne · Kommunalwahlprogramm Die Linke Region Hannover 2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Das Jahr 2035 ist in der Quelle der Region und nicht eindeutig der Stadt Hannover zugeordnet. Deshalb wird die Fundstelle nicht für die städtische These berechnet.
Jessica Schülke (AfD)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Sie bezweifelt einen nennenswerten Einfluss des CO2-Ausstoßes auf das globale Klima und führt Belastungen der Automobil- und Zuliefererbranche auf die Energiewende zurück. Mittel für Klimaschutzmaßnahmen hält sie für zweckentfremdet; sie wären aus ihrer Sicht bei Schulbau, Straßensanierung und dem Erhalt kommunaler Infrastruktur besser eingesetzt.
Originalantwort anzeigen
Als AfD bezweifeln wir einen nennenswerten Einfluss des CO2 Ausstoßes auf das globale Klima. Der Schaden, den die grüne Energiewende anrichtet ist hingegen groß. Unsere heimische Wirtschaft, allen voran die Automobil- und Zuliefererbranche leidet enorm. VW kündigte die Schließung des Stöckener Werks an und auch Continental wird zukünftig massiven Stellenabbau betreiben müssen. Das sind die unmittelbaren Folgen der genannten Klimaneutralität. Die Stadt Hannover ist bereits jetzt schon mit 2,8 Mrd. € verschuldet, dem kommunalen Haushalt geht es ähnlich schlecht. Ein Festhalten an der Energieneutralität bis 2035 würde die Deindustrialisierung weiter vorantreiben. Gelder die für Klimaschutzmaßnahmen wie z.B. dem Klimafond bestimmt sind sehen wir als Zweckentfremdung. Dieses Geld könnte an anderen Stellen – etwa beim Bau von Schulgebäuden, für Straßensanierungen oder beim Erhalt kommunaler Infrastruktur deutlich besser eingesetzt werden.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 06.09.2026
Bruno Adam Wolf (Piratenpartei)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er will alternative und nachhaltige Energieproduktion konsequent ausbauen und Entsiegelung zum Standard machen. Ob Hannover am Zieljahr 2035 festhalten soll, sagt er nicht.
Programm/Kampagne · Piraten Hannover, Kandidatenvorstellung
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Ausbauziele für erneuerbare Energien sind keine Aussage über das beschlossene Zieljahr der Klimaneutralität.
Thorsten Meyer (DIE HANNOVERANER)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Er will das Zieljahr 2035 aufgeben und Klimaneutralität später anstreben.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Zu 2 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 6. September 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
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