Digitales & Verwaltung
Open-Source-Software bevorzugen
Bei der Beschaffung neuer Verwaltungssoftware soll Hannover Open-Source-Lösungen bevorzugen.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Im Dezember 2025 kündigte die Stadt an, den Schulserver IServ im Sommer 2026 abzuschalten und an allen 100 Schulen Microsoft 365 einzusetzen. Gegen den Umstieg wuchs Widerstand — von den 43 Schulen, die IServ noch nutzten, vom Schulleitungsverband und von Datenschützern. Im September 2025 kaufte die Stadt 75.000 Microsoft-365-Education-Lizenzen für 342.000 Euro. Am 21. April 2026 setzte sie die Nutzung aus: Für einen rechtssicheren Betrieb fehle „eine ergänzende vertragliche Vereinbarung, die speziell die Anforderungen im schulischen Kontext abbildet“. IServ ist dabei selbst keine Open-Source-Software, sondern ein kommerzielles Produkt; gestritten wurde über eine etablierte dezentrale Lösung gegen eine zentrale Microsoft-Verwaltung.
Nach Darstellung der HAZ stellten eine dezernatsübergreifende Taskforce und das Rechnungsprüfungsamt Defizite bei der Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen und bei der Kontrolle interner Regelungen fest. Die Stadt arbeitet das Projekt auf und will innerhalb von rund sechs Monaten Vorschläge für eine datenschutzkonforme und praxistaugliche Schul-IT vorlegen; Alternativen zu Microsoft 365 sollen ausdrücklich geprüft werden.
Andere Schulträger in der Region entscheiden anders. Burgdorf, Garbsen und Langenhagen bleiben bei IServ; Garbsens Stadtsprecher sagt: „Wir haben unseren Vertrag mit IServ aktuell verlängert. Das System hat sich für unsere Schulen bewährt.“ Wie groß der Umfang in Hannover ist, hat die Verwaltung 2025 beziffert: für 2024 rund 2,57 Millionen Euro für Microsoft 365 und 2,51 Millionen für selbst betriebene Microsoft-Produkte, dazu 182.700 Euro für Adobe-Lizenzen und 145.000 Euro für Zoom. Diese Beträge zeigen den Umfang der Nutzung, nicht den Grad der technischen Abhängigkeit.
Im städtischen Rechenzentrum setzt Hannover bereits zahlreiche Open-Source-Produkte ein; eine Ausweitung ist nach Auskunft der Verwaltung derzeit nicht geplant — „Es gibt keine aktuellen Aktivitäten um dies zu intensivieren.“ Geprüfte Alternativen zu Microsoft Office hätten Nachteile bei Funktionsumfang und Bedienung; zugleich gebe es „bei Softwarelösungen egal ob US-Hersteller oder Open-Source immer Abhängigkeiten und Risiken“.
Bei Open-Source-Software ist der Quellcode unter einer Lizenz verfügbar, die seine Prüfung, Änderung und Weitergabe erlaubt. Das kann den Wechsel zwischen Dienstleistern erleichtern und eine gemeinsame Weiterentwicklung ermöglichen. Ob dadurch Kosten oder Abhängigkeiten sinken, hängt von offenen Schnittstellen, Datenexport, Support, verfügbarem Fachpersonal und den Kosten für Einführung, Migration, Schulung und Betrieb ab. Open Source bedeutet zudem nicht automatisch europäische Datenhaltung, Datenschutzkonformität oder höhere IT-Sicherheit. Zum Vergleich: Das Land Niedersachsen prüft nach eigener Digitalstrategie bei jeder Softwareentscheidung Open-Source-Programme und nutzt in der Steuerverwaltung auf 15.000 Arbeitsplätzen LibreOffice, setzt daneben aber weiter auf Microsoft-Produkte.
Quellen (7)
- Stadt Hannover, Hannover stellt Schul-IT neu auf (abgerufen 04.08.2026)
- Antwort der Verwaltung 15-0881/2025 F1, Einsatz quelloffener Software, Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel 15.05.2025
- Antwort der Verwaltung 15-0481/2025 F1, eingesetzte Software und deren Kosten, Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel 13.03.2025
- heise, Wind of Change: Wie Hannover sich an 75.000 M365-Lizenzen die Finger verbrannte (abgerufen 27.08.2026)
- HAZ, Nach dem Debakel mit Microsoft: So stellt die Stadt ihre Schul-IT neu auf, 07.07.2026
- HAZ, geplanter IServ-Ausstieg und wie andere Schulträger der Region entscheiden, 09.12.2025
- eGovernment, Niedersachsen: Mix aus Open Source und Microsoft
Zustimmung bedeutet
Hannover soll Open-Source-Software bei der Beschaffung grundsätzlich bevorzugen, wenn sie fachlich geeignet ist.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll keinen allgemeinen Vorrang festlegen und im Einzelfall nach Eignung, Datenschutz, IT-Sicherheit, Schnittstellen und Gesamtkosten entscheiden.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 6 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm nennt den Vorzug wörtlich und will geschlossene Lösungen außerhalb des europäischen Rechtsraums ablösen — das ist die Entscheidung der These.
Das Grünen-Programm will Open-Source-Software bei der Verwaltungssoftware priorisieren und geschlossene Lösungen, die nicht vollständig im europäischen Rechtsraum verankert sind, perspektivisch ablösen.
„Wir wollen quelloffene Lösungen priorisieren"
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei Bündnis 90/Die Grünen; eine persönliche Übernahme durch Belit Onay ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · Wahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF)
Aus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Er hat den städtischen Digitalisierungsfonds mit dem allgemeinen Ziel digitaler Souveränität begründet.
„Unser Ziel ist die digitale Souveränität Hannovers. Damit wollen wir die Stadtverwaltung ins digitale Zeitalter überführen."
Öffentliche Aussage · Kommune21, 30.10.2024
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die Quelle nennt digitale Souveränität als Ziel, aber keinen Vorzug von Open-Source-Software bei der Beschaffung neuer Verwaltungssoftware. Deshalb wird die Fundstelle nicht berechnet.
Axel von der Ohe (SPD)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm fordert Open Source, regionale Rechenzentren und mehr Unabhängigkeit von globalen Technologiekonzernen.
Das SPD-Programm fordert offene Schnittstellen und Open-Source-Lösungen, regionale Rechenzentren sowie Haushaltsmittel, um die Verwaltung unabhängiger von globalen Technologiekonzernen zu machen.
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei SPD; eine persönliche Übernahme durch Axel von der Ohe ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, S. 25
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das CDU-Regionsprogramm will Investitionen in die digitale Souveränität der Verwaltung nicht im Alleingang tätigen, sondern mit den 21 Städten und Gemeinden gemeinsame kommunale Open-Source-Bausteine entwickeln und Schnittstellen vereinfachen. Einen Vorrang von Open-Source-Software bei der Beschaffung neuer Verwaltungssoftware nennt es nicht.
„miteinander gemeinsame kommunale Open Source-Bausteine zu entwickeln und Schnittstellen zu vereinfachen"
Zurechnung: Programm des CDU-Regionsverbands Hannover zur Regionswahl 2026; eine Übernahme durch Peter Karst oder die CDU Hannover-Stadt ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · CDU Region Hannover, Wahlprogramm 2026–2031 (beschlossen 09.05.2026)
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die These fragt eine Beschaffungsentscheidung der Stadt: Soll Open-Source-Software bevorzugt werden? Das Programm wirbt für eine gemeinsame Entwicklung einzelner Bausteine und trägt damit das Ziel, nicht den in der These genannten Vorrang (Codierregel 3). Adressat ist zudem die Regionsebene.
Maren Kaminski (Die Linke)
DafürEigene Antwort: Dafür
Sie sieht im Weggang von IServ einen Fehler und im Vorgang um Microsoft 365 eine Bestätigung; sie fordert Vorrang für besser prüfbare Open-Source-Software.
Originalantwort anzeigen
Bereits der Weggang von IServ war ein Fehler, das Debakel um Microsoft365 bestätigt dies und zeigt klar: Vorrang für besser prüfbare Open-Source-Software.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Aus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Sie fordert kommunal betriebene, datenschutzkonforme Plattformen und erklärt, die Stadt dürfe sich nicht von Konzernen abhängig machen. Einen Vorzug von Open-Source-Software bei der Beschaffung nennt sie nicht.
Öffentliche Aussage · Bewerbung als OB-Kandidatin, Januar 2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Kommunaler Betrieb und Datenschutz sind nicht dasselbe wie ein Vorzug von Open-Source-Software; die Entscheidung der These trägt die Quelle nicht.
Jessica Schülke (AfD)
DagegenEigene Antwort: Dagegen
Sie sieht bei quelloffener Software fehlenden offiziellen Support, höheren Wartungsaufwand, Lizenzrisiken und komplizierte Umstellungsprozesse und verweist auf die Justizbehörden in Schleswig-Holstein.
Originalantwort anzeigen
OpenSource-Software bietet viele Freiheiten, bringt jedoch auch Nachteile wie fehlenden offiziellen Support, einen höheren technischen Aufwand bei der Wartung, rechtliche Risiken bei Lizenzen und komplizierte Umstellungsprozesse. Nachdem beispielsweise in Schleswig Holsteins Justizbehörden OpenSource- Software eingeführt wurde, konnten Staatsanwälte, Richter und andere Justizmitarbeiter nicht mehr auf ihre Mails zugreifen oder Haftbefehle sowie wichtige Unterlagen versenden oder lesen. Die Wiederherstellung der Zugänge war am Ende teurer als die Aktualisierung einer kostenpflichtigen Lizenz. Aufgrund dieser Risiken verwenden auch private Unternehmen kaum OpenSource Produkte.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 06.09.2026
Bruno Adam Wolf (Piratenpartei)
DafürPersönliche Position: Dafür
Digitale Souveränität ist sein zentrales Thema: Er will die Stadtverwaltung auf Open-Source-Basis umstellen und die Abhängigkeit von US-Techkonzernen beenden.
„Die Bürgerdaten müssen in Hannover sicher sein."
Programm/Kampagne · Piraten Hannover, Kandidatenvorstellung
Thorsten Meyer (DIE HANNOVERANER)
Teils / teilsEigene Antwort: Teils / teils
Er hat teils/teils bzw. neutral angekreuzt und keine Begründung angegeben.
Warum Mittelposition: Im Fragebogen als teils/teils angekreuzt, ohne Begründung.
Eigene Antwort (Fragebogen) · Selbstauskunft gegenüber einfach.digital, 28.08.2026
Zu 2 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 6. September 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
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