Digitales & Verwaltung
Quelloffene Software bevorzugen
Bei neuer Verwaltungssoftware soll Hannover quelloffene Lösungen bevorzugen.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Städtische Verwaltungen stehen in starker Abhängigkeit von Software US-amerikanischer Konzerne. In Hannover ist daraus 2026 ein konkreter Fall geworden: Die Bildungsdezernentin untersagte im April die Nutzung von Microsoft Education an den Schulen aus Datenschutzgründen — die Stadt hatte einen unzureichenden Auftragsverarbeitungsvertrag für die Daten der Schülerinnen und Schüler geschlossen.
Eine dezernatsübergreifende Taskforce stellte Defizite bei der Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen und bei der Kontrolle interner Regelungen fest. Bis Jahresende soll die Digitalisierung der Schulen neu aufgesetzt werden, wobei ausdrücklich auch Open-Source-Lösungen in die Softwareüberlegungen einbezogen werden.
Wie groß die Abhängigkeit finanziell ist, hat die Verwaltung 2025 auf Anfragen im Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel beziffert: Für 2024 nennt sie 2.565.000 Euro für Microsoft Office 365 und 2.512.000 Euro für Microsoft-Produkte im Eigenbetrieb, dazu 182.700 Euro für Adobe-Lizenzen und 145.000 Euro für Zoom. Auf eine zweite Anfrage erklärte sie, quelloffene Produkte im Rechenzentrum vielfältig einzusetzen — „Es gibt keine aktuellen Aktivitäten um dies zu intensivieren.“ Geprüfte Office-Alternativen hätten Nachteile bei Ergonomie und Funktionsumfang; zugleich gebe es „bei Softwarelösungen egal ob US-Hersteller oder Open-Source immer Abhängigkeiten und Risiken“.
Zum Vergleich: Das Land Niedersachsen prüft nach eigener Digitalstrategie bei jeder Softwareentscheidung quelloffene Programme und nutzt in der Steuerverwaltung auf 15.000 Arbeitsplätzen LibreOffice, setzt daneben aber weiter auf Microsoft-Produkte. Umstritten sind Kosten, Tempo und Praxistauglichkeit einer Umstellung.
Quellen (5)
- Stadt Hannover, Hannover stellt Schul-IT neu auf (abgerufen 04.08.2026)
- Antwort der Verwaltung 15-0881/2025 F1, Einsatz quelloffener Software, Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel 15.05.2025
- Antwort der Verwaltung 15-0481/2025 F1, eingesetzte Software und deren Kosten, Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel 13.03.2025
- HAZ, Nach dem Debakel mit Microsoft: So stellt die Stadt ihre Schul-IT neu auf, 07.07.2026
- eGovernment, Niedersachsen: Mix aus Open Source und Microsoft
Zustimmung bedeutet
Bei jeder Neubeschaffung soll Hannover zuerst prüfen, ob eine quelloffene Lösung den Zweck erfüllt, und ihr dann den Vorzug geben.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll Software allein nach Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit auswählen, ohne quelloffene Produkte zu bevorzugen.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 3 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm nennt den Vorzug quelloffener Lösungen wörtlich und will geschlossene Lösungen außerhalb des europäischen Rechtsraums ablösen — das ist die Entscheidung der These.
Das Grünen-Programm will quelloffene Lösungen bei der Verwaltungssoftware priorisieren und geschlossene Lösungen, die nicht vollständig im europäischen Rechtsraum verankert sind, perspektivisch ablösen.
„Wir wollen quelloffene Lösungen priorisieren"
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei Bündnis 90/Die Grünen; eine persönliche Übernahme durch Belit Onay ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · Wahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF)
Aus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Er hat den städtischen Digitalisierungsfonds mit dem allgemeinen Ziel digitaler Souveränität begründet.
„Unser Ziel ist die digitale Souveränität Hannovers. Damit wollen wir die Stadtverwaltung ins digitale Zeitalter überführen."
Öffentliche Aussage · Kommune21, 30.10.2024
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die Quelle nennt digitale Souveränität als Ziel, aber keinen Vorzug quelloffener Lösungen bei der Beschaffung neuer Verwaltungssoftware. Deshalb wird die Fundstelle nicht berechnet.
Axel von der Ohe (SPD)
Parteiprogramm: Dafür – persönlich noch nicht bestätigtParteiprogramm: Dafür– persönlich noch nicht bestätigt
Das Programm fordert Open Source, regionale Rechenzentren und mehr Unabhängigkeit von globalen Technologiekonzernen.
Das SPD-Programm fordert offene Schnittstellen und Open-Source-Lösungen, regionale Rechenzentren sowie Haushaltsmittel, um die Verwaltung unabhängiger von globalen Technologiekonzernen zu machen.
Zurechnung: Aktuelles örtliches Wahlprogramm der Partei SPD; eine persönliche Übernahme durch Axel von der Ohe ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · SPD-Zukunftsprogramm Hannover 2026, S. 25
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das CDU-Regionsprogramm will Investitionen in die digitale Souveränität der Verwaltung nicht im Alleingang tätigen, sondern mit den 21 Städten und Gemeinden gemeinsame kommunale Open-Source-Bausteine entwickeln und Schnittstellen vereinfachen. Einen Vorrang quelloffener Lösungen bei der Beschaffung neuer Verwaltungssoftware nennt es nicht.
„miteinander gemeinsame kommunale Open Source-Bausteine zu entwickeln und Schnittstellen zu vereinfachen"
Zurechnung: Programm des CDU-Regionsverbands Hannover zur Regionswahl 2026; eine Übernahme durch Peter Karst oder die CDU Hannover-Stadt ist nicht dokumentiert.
Programm/Kampagne · CDU Region Hannover, Wahlprogramm 2026–2031 (beschlossen 09.05.2026)
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die These fragt eine Beschaffungsentscheidung der Stadt: Sollen quelloffene Lösungen bevorzugt werden? Das Programm wirbt für eine gemeinsame Entwicklung einzelner Bausteine und trägt damit das Ziel, nicht den in der These genannten Vorrang (Codierregel 3). Adressat ist zudem die Regionsebene.
Maren Kaminski (Die Linke)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dieser Aussage nicht eindeutig ableitbar
Sie fordert kommunal betriebene, datenschutzkonforme Plattformen und erklärt, die Stadt dürfe sich nicht von Konzernen abhängig machen. Einen Vorzug quelloffener Lösungen bei der Beschaffung nennt sie nicht.
Öffentliche Aussage · Bewerbung als OB-Kandidatin, Januar 2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Kommunaler Betrieb und Datenschutz sind nicht dasselbe wie ein Vorzug quelloffener Software; die Entscheidung der These trägt die Quelle nicht.
Bruno Adam Wolf (Piratenpartei)
DafürPersönliche Position: Dafür
Digitale Souveränität ist sein zentrales Thema: Er will die Stadtverwaltung auf Open-Source-Basis umstellen und die Abhängigkeit von US-Techkonzernen beenden.
„Die Bürgerdaten müssen in Hannover sicher sein."
Programm/Kampagne · Piraten Hannover, Kandidatenvorstellung
Zu 4 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 21. August 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
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