Verkehr & Innenstadt
Stadtbahn zur neuen MHH
Hannover soll an der Trasse über den Stadtfelddamm festhalten, statt der westlichen Umfahrung zuzustimmen.
Hannover · Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026
Recherchestand:
Worum geht es?
Das Land baut die Medizinische Hochschule Hannover neu, für gut eine Milliarde Euro am Stadtfelddamm. Über die Stadtbahn dorthin entscheidet die Stadt nicht allein: Die Region Hannover ist Trägerin des Nahverkehrs und Vorhabenträgerin, das Planfeststellungsverfahren führt die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der Bund trägt voraussichtlich 75 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten, das Land 10 und die Region 15; nicht zuwendungsfähige Kosten trägt die Region allein.
Was die Stadt entscheidet, ist die Bauleitplanung — den Bebauungsplan beschließt nach § 10 Absatz 1 Baugesetzbuch die Gemeinde als Satzung. Konkret geht es um einen zwölf Meter breiten Streifen auf der Westseite des Stadtfelddamms. Insgesamt würden dort 16 Meter zusätzlich gebraucht — vier Meter gehören der Stadt, die zwölf Meter für die Trasse dem Land. Baudezernent Thomas Vielhaber: „Wir hatten uns eigentlich im Vorfeld geeinigt, dass ein Streifen von zwölf Metern freibleibt … Damit sichern wir die Trasse.“ Die Gebäude des Neubaus müssten dafür einige Meter nach Westen rücken; ein Hemmnis für die Erweiterung sieht er darin nicht. Der Verwaltungsausschuss hat am 20. November 2025 die Aufstellung des Bebauungsplans „Stadtfelddamm“ beschlossen; den abschließenden Satzungsbeschluss fasst der Rat, und er steht noch aus.
Wozu die Sicherung dient, hat der Verkehrsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz, erklärt: „Damit wir notfalls immer noch im Nachgang die Stadtbahn nachrüsten können.“ Für ihn sei das ein „Worst-Case-Szenario“. Ein nachträglicher Anschluss wäre nach der Regionsresolution nur noch aufwendig und teuer zu bauen — die Kosten trüge die Region.
Politisch haben sich Rat und Regionsversammlung im Juni 2025 bereits festgelegt: Beide beschlossen, die Anbindung über die Linie 9 und den Stadtfelddamm zu bauen. Die Resolution des Rates vom 26. Juni 2025 — einstimmig, getragen von SPD, Grünen, CDU, FDP, Volt, Piraten und dem Ratsherrn der Linken — fordert Land und MHH-Präsidium auf, von Plänen mit einer weit entfernten Haltestelle „oder gar eine Shuttle-Bus-Verbindung“ Abstand zu nehmen.
Die MHH lehnt die Führung über den Stadtfelddamm ab. Vizepräsidentin Martina Saurin verweist darauf, dass der Stadtfelddamm für eine Trasse nicht breit genug sei, dass Rettungs- und Lieferverkehr gekreuzt würden und dass „unser erst kürzlich neu eingerichtetes Rechenzentrum wahrscheinlich umziehen“ müsste. Land und MHH schlagen stattdessen einen Shuttlebus über das Gelände vor. Ein Gutachten des Steinbeis-Forschungszentrums für elektromagnetische Verträglichkeit bestätigt die Beeinträchtigung, hält sie aber für beherrschbar: Mit magnetfeldoptimierter Trassenausführung und Kompensation an einzelnen Geräten lasse sich eine unzulässige Beeinträchtigung ausschließen. Die Region beziffert die Schutzmaßnahmen auf 3,6 Millionen Euro für Erschütterungsschutz und 6,0 Millionen für die elektromagnetische Kompensation, zusammen 9,6 Millionen. Tragen müsste sie zunächst die infra als Vorhabenträgerin, refinanziert über Förder- und Regionsmittel.
Für den Klinikneubau selbst hätte die Trassenführung Folgen: Die Gebäude müssten einige Meter nach Westen rücken. Das Land hatte die Bauabschnittsplanung im September 2024 abgeschlossen, der Baubeginn der ersten Baustufe ist für 2028 vorgesehen. Das Wissenschaftsministerium lehnt eine Umplanung deshalb ab. „Eine Neuplanung würde die Eröffnung absehbar verzögern sowie erhebliche Mehrkosten bedeuten und wird daher abgelehnt“, sagt Sprecher Daniel Voigt; oberste Priorität hätten eine möglichst schnelle Inbetriebnahme und ein störungsfreier Betrieb. Wer die bisherigen Verzögerungen zu verantworten hat, ist umstritten: Ein Kommentar der HAZ verweist darauf, dass Wissenschaftsminister Falko Mohrs 2022 selbst erklärt hatte, die Strukturen in der Baugesellschaft für das Klinikprojekt hätten „nicht gestimmt“, was Verzögerungen bei den Planungen zur Folge gehabt habe.
Geprüft wurden drei Streckenvarianten. Die Route über den Stadtfelddamm hat den besten Nutzen-Kosten-Indikator und ist die günstigste: 117,7 Millionen Euro gegenüber 131,4 Millionen für die Westumfahrung und 139,4 Millionen für die Variante „Grünzug“. Eine Nachfrageberechnung im Auftrag der Region kommt auf rund 4.000 zusätzliche Stadtbahnfahrgäste, wenn der Neubau einen eigenen Anschluss bekommt; den von Land und MHH vorgeschlagenen Shuttlebus würden danach 700 Menschen am Tag nutzen.
Ende Juni 2026 berichteten Medien über einen Kompromissvorschlag einer Arbeitsgruppe aus Land, Stadt und Region: die westliche Umfahrung, die größeren Abstand zur Klinik hält. Damit sie die für die Bundesmittel nötige Wirtschaftlichkeit erreicht, müsste westlich der MHH ein Wohngebiet entstehen. Wie viele Kleingärten die beiden Varianten kosten, ist nicht amtlich belegt. Die HAZ nennt für die Westumfahrung rund 430 Parzellen — 131 für die Trasse, gut 300 für das Wohngebiet — gegenüber 108 am Stadtfelddamm, Radio Hannover spricht von etwa 450. Die Region teilte auf Anfrage mit, sie könne zu Parzellenzahlen keine Aussage treffen; zuständig sei die Stadt. Diese sprach im August 2025 für die damaligen Vorüberlegungen von einem „mittleren zweistelligen Bereich“.
Kleingärten sind bei diesem Projekt kein neues Thema: Der MHH-Neubau entsteht auf einem rund 16 Hektar großen Baufeld westlich des Stadtfelddamms. Für ihn wurden bereits 106 Kleingärten gekündigt. Die für das Wohngebiet betroffene Fläche gehört der Stadt. Das Kleingartenentwicklungskonzept 2026+ führte sie in seiner ursprünglichen Fassung als „Kleefeld Nord“ mit 10,96 Hektar, 332 Parzellen und 520 möglichen Wohneinheiten. In der Neufassung ist das Kapitel mit diesen Umnutzungsflächen gestrichen; sie verlangt, dass vor der Kündigung von Kleingartenflächen der Bebauungsplan steht und geeignete Ersatzgärten hergestellt sind. Der Rat entscheidet darüber am 27. August 2026. Eine förmliche Entscheidung über die Trassenvariante steht aus; nach einem Bericht der HAZ wollte Oberbürgermeister Onay damit bis nach der Kommunalwahl warten.
Quellen (25)
- Beschlussdrucksache 0153/2026 N1, Kleingartenentwicklungskonzept 2026+, Neufassung — Ratsversammlung 27.08.2026
- Region Hannover, Antwort 5190 (V) auf Anfrage vom 29.06.2026 — keine Aussage zu Parzellenzahlen möglich
- Stadt Hannover, Bebauungsplan Stadtfelddamm, 20.11.2025
- Beschlussdrucksache 1812/2025, Aufstellungsbeschluss Bebauungsplan Nr. 1941 – Stadtfelddamm, Verwaltungsausschuss 20.11.2025
- Region Hannover, Antwort 4610 (V) auf Anfrage vom 07.11.2025 — Kosten der drei Trassenvarianten und Schutzmaßnahmen
- Antwort der Verwaltung 1555/2025 F1, betroffene Kleingärten, Ratsversammlung 28.08.2025
- Resolution 1425/2025, Stadtbahnanbindung der neuen MHH, Ratsversammlung 26.06.2025 einstimmig
- Region Hannover, Antwort 3787 (V) auf Anfrage vom 31.03.2025 — voraussichtliche Förderquoten 75/10/15
- Antwort der Verwaltung 15-0440/2022 F1, 106 gekündigte Kleingärten für den MHH-Neubau, Stadtbezirksrat 23.02.2022
- Änderungsantrag der SPD-Fraktion 0393/2026 zum Kleingartenentwicklungskonzept, mit der Flächentabelle der Ursprungsfassung
- Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, § 4 Absatz 1 (Bundesförderung bis zu 75 Prozent)
- MHH, FAQ Stadtbahnanschluss (Standpunkt der Klinik, abgerufen 19.08.2026)
- MHH, Stadtbahn soll barrierefrei sein, keine Barriere, 16.06.2025 (Standpunkt der Klinik)
- HAZ, Kleingärtner demonstrieren gegen Verlust ihrer Parzellen, 14.08.2026
- Radio Hannover, MHH-Stadtbahn-Trasse: Region verteidigt Pläne, 02.07.2026
- Radio Hannover, Gibt es einen Deal in der Streitfrage um die Stadtbahnanbindung?, 29.06.2026
- HAZ, Kompromiss für die MHH-Stadtbahn, 27.06.2026
- HAZ, Ohne neue Stadtbahn: Tausende zusätzliche Autofahrten täglich zur MHH, 16.09.2025
- HAZ, Kommentar: Eine MHH ohne Stadtbahnanschluss? Das wäre Unsinn, 06.09.2025
- HAZ, Stadt und Region Hannover wollen MHH-Pläne stoppen, 02.09.2025
- HAZ, MHH-Stadtbahnanschluss: Jetzt drückt die Region auf die Tube, 19.08.2025
- HAZ, Streit um Stadtbahnanschluss für die neue MHH: Darum geht es, 18.06.2025
- HAZ, Politiker machen dem Land Druck — Resolution der Regionsversammlung, 30.05.2025
- HAZ, Drei Varianten für die MHH: So könnte die neue Stadtbahn fahren, 31.05.2024
- HAZ, MHH-Vizepräsidentin bekräftigt Bedenken gegen Stadtbahnanschluss, 26.09.2023
Zustimmung bedeutet
Hannover soll an der Trasse über den Stadtfelddamm festhalten und die Fläche sichern. Die Bahn führt dann dicht an der Klinik vorbei, die dafür Schutz vor Erschütterungen verlangt, und rund hundert Kleingärten fallen weg.
Ablehnung bedeutet
Hannover soll der westlichen Umfahrung zustimmen. Sie schont die empfindlichen Geräte der Klinik, kostet aber mehrere hundert Kleingärten, weil dafür aus Wirtschaftlichkeitsgründen zusätzlich ein Wohngebiet entstehen müsste.
Die Positionen
Zu dieser Frage liegen belegte Positionen von 2 der 9 Kandidaturen vor.
Persönliche Aussagen haben Vorrang vor Parteiprogrammen; vorläufige Parteipositionen sind als solche gekennzeichnet und werden nicht doppelt gerechnet. Klare politische Tendenzen bleiben sichtbar, wenn ein entscheidender Teil der exakten These offen ist; sie werden nie berechnet. Ohne eindeutigen Beleg wird nichts berechnet.
Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen)
DafürPersönliche Position: Dafür
Er hält die Trassenvariante über den Stadtfelddamm für die beste Option und hat das bei der Übergabe der Kleingärtner-Petition am 13. August 2026 bekräftigt: Die Anbindung der MHH mit einer Stadtbahn hält er für richtig, die im Juni vorgestellte Westumfahrung überzeugt ihn nicht. Zu Vergleichskriterien, Ersatzflächen und der Rolle des Wohnungsbaus für die Wirtschaftlichkeit nennt er offene Fragen. Seine Partei bezeichnet die Stadtbahnanbindung des MHH-Neubaus als unverzichtbar.
„Die beste Option bleibt die Variante über den Stadtfelddamm – allerdings zeichnen sich hierfür aus parteitaktischen Gründen bedauerlicherweise keine Mehrheiten ab."
Öffentliche Aussage · HAZ, Kompromiss für Stadtbahn zur neuen MHH gefunden, 27.06.2026 · HAZ, Kleingärtner demonstrieren gegen Verlust ihrer Parzellen, 14.08.2026 · Wahlprogramm Grüne Hannover 2026 (PDF)
Axel von der Ohe (SPD)
DagegenPersönliche Position: Dagegen
Er unterstützt den im Juni 2026 vorgelegten Kompromiss für eine Westroute und wirft dem Oberbürgermeister vor, die Entscheidung darüber bis nach der Wahl zurückzuhalten. Am 14. August 2026 hat er das bekräftigt und um eine Bedingung ergänzt: Kleingartenflächen dürften erst in Anspruch genommen werden, wenn bezugsbereite Ersatzgärten zur Verfügung stünden. Das SPD-Zukunftsprogramm will das Stadtbahnnetz ausbauen und verbessern, nennt die Anbindung der neuen MHH aber nicht.
„Er darf einer kontroversen Debatte nicht aus Angst vor der Wahl ausweichen"
Öffentliche Aussage · HAZ, Kompromiss für Stadtbahn zur neuen MHH gefunden, 27.06.2026 · HAZ, Kleingärtner demonstrieren gegen Verlust ihrer Parzellen, 14.08.2026
Peter Karst (CDU)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Er befürwortet den Ausbau der Stadtbahn zur MHH, nach Limmer und auf der D-Linie.
„Wer Stadtbahn fährt, will den Ausbau zur MHH, nach Limmer, auf der D-Linie."
Programm/Kampagne · Kampagnenseite, Themen
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die Kampagnenseite befürwortet den Ausbau zur MHH, nennt aber keine der beiden Trassenvarianten. Zwischen Stadtfelddamm und westlicher Umfahrung trifft sie keine Wahl.
Maren Kaminski (Die Linke)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das Kommunalwahlprogramm fordert den Ausbau der Stadtbahn und eine Ringbahn über die MHH.
Programm/Kampagne · Kommunalwahlprogramm Die Linke Region Hannover 2026
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Die Quelle fordert die Ringbahn und nennt die Tangentiale über die MHH als ersten Schritt. Die Ringbahn ist das Linienkonzept, nicht die Streckenführung an der Klinik — zwischen Stadtfelddamm und westlicher Umfahrung entscheidet sie nicht.
Jessica Schülke (AfD)
Aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutigAus dem Programm nicht eindeutig ableitbar
Das AfD-Programm fordert die gleichwertige Berücksichtigung aller Verkehrsarten, legt sich aber nicht auf die Stadtbahn-Anbindung der MHH fest.
Programm/Kampagne · AfD-Kommunalwahlprogramm Hannover 2026, S. 8
Warum wird das nicht berücksichtigt?
Das Programm nennt die Stadtbahn an keiner Stelle und damit auch keine der beiden Trassenvarianten.
Zu 4 von 9 Kandidaturen lag im dokumentiert geprüften Quellenbestand mit Stand 24. August 2026 keine Aussage zu dieser These vor. Alle Kandidaturen erhalten denselben Fragenkatalog; eingehende Antworten werden laufend eingearbeitet und gekennzeichnet.
Alle Thesen dieses Checks
Diese Seite zeigt eine von 20 Thesen. Der vollständige Check rechnet Ihre eigenen Antworten gegen alle Positionen — ausschließlich in Ihrem Browser.
Wie eine Quelle zur gewerteten Position wird, welche Prüfungen eine These bestehen muss und wie gerechnet wird, steht in der Methodik aller Wahl-Checks.
Keine Wahlempfehlung. Die Auswertung läuft vollständig in Ihrem Browser — Ihre Antworten verlassen Ihr Gerät nicht. Korrekturhinweise an wahlcheck@einfach-digital.de.
Bei Recherche, Aufbereitung und Programmierung setzen wir KI-Werkzeuge ein. Jede These, jede verwendete Position und jede Begründung wird vor der Veröffentlichung von einem Menschen anhand der Originalquelle geprüft. Redaktionell verantwortlich ist Peter Neubert, Einfach Digital GmbH — er ist kein Mitglied einer politischen Partei.